Archiv: November 2014

„Im Moment nicht“

22.11.2014 Diskussion, Falter und Welt, Texte zur Kunst Keine Kommentare

Unsere schwarze Augenbinde

Gesellschaftskritische Installation zum Zustand des Planeten

Die Installation versteht sich als fundamentale Kritik an den aktuell (Wechsel 2014/15) zu beobachtenden gesellschaftlichen Zuständen. Im Vordergrund liegt die Nachbildung der bekannten maltesischen Magna Mater (Großen Mutter) als Göttin der Weisheit. Ihre Funktion erklärt sich aus der hochgehaltenen Phiole, eben keinem „Füllhorn für Weisheit“, sondern einer Flasche mit schmalem Hals, aus der sie zuweilen – und dies auch nur sehr verhalten, eben tröpfchenweise – einen bei ihr Anfragenden bedient. Die maltesische Magna Mater entspricht mit ihrer Phiole sowie ihrer Haltung damit im Übrigen zugleich der ebenso bekannten Darstellung der Guan-Yin in China, bzw. Kuan-Yin in Japan. Sie trägt in dieser Installation zudem eine schwarze Augenbinde, damit sie zum einen selbst das Elend um sich herum nicht sieht und weil sie zum anderen von den Menschen nicht mehr gesucht und wahrgenommen wird. Aus dem Grunde des „Versteckt-Seins“ liegt sie zudem in einem herbstfarbenen Gestrüpp, Sinnbild für das nahende Ende des siechenden Planeten sowie ihre tatsächliche Verborgenheit.

Die gesellschaftlichen Zustände werden durch die weiteren Teile der Installation symbolisiert. Da sind zur Rechten des Betrachters zwei Krieger im Bild, ob Azteken, Olmeken, Mayas, Mongolen oder Wikinger bleibt offen. Sie zeigen den kriegerischen Zustand des Planeten, auf dem tagtäglich irgendwo Krieg gegen die eigene Rasse sowie gegen die Natur geführt wird. Zur Ihrer Linken und über der Magna Mater wie ein Damokles-Schwert schwebend, finden sich Münzen als Symbole unserer vorgeblichen inneren Werte. Unsere weltweite Gesellschaft ist nämlich eine solche von Kriegsfürsten, deren einziges Streben die Gewinnmaximierung ist. Und über Allem thront auf dem Kasten, der uns wie ein Fernseher oder PC-Monitor vorkommt, ein wütender Drache. Im fernen Osten ist er, kriegslüstern wie er hier gezeigt wird, ein Menetekel des Untergangs. Hier symbolisiert er zugleich unseren Fernseh-Voyeurismus, wo wir Beobachter bleiben, ohne uns gegen den Untergang des Planeten oder selbst gegen unseren eigenen aufzulehnen. Damit verweist die Installation zugleich auf den Betrachter zurück, der sich nicht einmischt und sich auch nicht um Weisheit bemüht. Wir haben dazu vorgeblich „keine Zeit“, weil wir Krieg führen müssen, uns ablenken oder unseren Gewinn maximieren müssen. Das ist dann unsere schwarze Augenbinde, mit der wir weder die Welt noch uns betrachten. Für Weisheit und wirkliche innere Werte haben wir vorgeblich keine Zeit, zumindest „Im Moment nicht„.

(Installation und Text: Claus-Peter Peters)