Archiv: Februar 2015

Wie mache ich Kunst oder schaffe Kultur?

12.02.2015 Allgemeine Themen, Diskussion, Texte zur Kunst Keine Kommentare

Wieder einmal wurde aus unserer Mitte unter schonungsloser Offenlegung aller Selbstzweifel die jeden Künstler beschäftigende Frage gestellt: Wie mache ich eigentlich Kunst? Dabei wäre diese selbstkritische Frage bei manch Anderem deutlich wünschenswerter als beim Fragenden, weil bei Anderen schon das Handwerkszeug fehlt. Das Gleiche gilt natürlich ebenso für Literaten: Wie schaffe ich Kultur, wenn meine Werke nicht „nur“ reine Unterhaltungsprodukte sein sollen? Dass natürlich Malerei, Bildhauerei oder Musik zugleich Kultur sein können, lassen wir einmal ganz außen vor.

Ob der Fragende den Richtigen um Auskunft bat, dürfen Sie an dieser Stelle offenlassen. Ich tue das im Interesse der Sache einmal ebenso und beginne mit Beispielen aus unserer Gruppe. Der Maler und Bildhauer Peter Pietralzcyk malt oder gestaltet “aus dem Bauch heraus“. Das handwerkliche Rüstzeugs ist da, denn er ist von Beruf Maler- und Lackierermeister. Die für Kunst notwendige Abstrahierung nimmt er im Kopf vor, produziert andererseits „aus dem Bauch heraus“ auch genügend „Mist“, den er jedoch selbstkritisch übermalt oder umgestaltet. Die Keramikkünstlerin und Malerin Birgit Schubert etwa experimentiert mit Formen, Farben, Materialien und baut darauf auf. Bei ihr sind die Ergebnisse ebenfalls nicht immer von „künstlerischem Erfolg“ gekrönt. Oft muss sie sich mit Erfahrungen, Material- oder Verarbeitungswissen begnügen. Der Maler und Aktionskünstler Reiner Langer schöpft aus eigenen und fremden Grafiken mit zusätzlichem Einsatz verschiedener Maltechniken Collagen, die mal gut gelingen und mal weniger gut. Allen Ansätzen der Vorgenannten liegt also das Prinzip „Versuch und Irrtum“ zugrunde, gepaart mit handwerklichen Fertigkeiten sowie einem ordentlichen Material- und Verarbeitungswissen. Hinzu tritt eine Abstrahierungsstufe, nämlich bekannten Abbildungen, Formen oder Farben neue Aussagen zu geben, entweder für sich alleine oder aber im Zusammenspiel mit den übrigen Elementen des hergestellten Werks.

Einen völlig anderen Ansatz verfolgt der Maler und Bildhauer Reinhard Frotscher. Bei ihm entstehen viele seiner Werke auf Basis von Vorstudien, bei denen er ebenso ausprobiert, was geht und wie es wirkt. So kenne ich für sein Bild „Das Paradies“ insgesamt sechs solcher kleinen Vorab-Bildnisse. Danach jedoch geht er ein Hauptwerk mit Präzision an und schafft bewusst die für Kunst notwendige Abstraktionsebene. Auch die alten Meister schufen erst Skizzen oder kleine Studien, bevor sie an ein Meisterwerk herangingen. Dabei ist es offenbar ohne Belang, ob sie gegenständlich oder abstrakt malten, eine Abstrahierung erfolgt beim klassischen Vorgehen über zum Teil umfangreiche Vorarbeiten.

Zur Erinnerung: Erforderlich ist zum Einen ein ordentliches handwerkliches Rüstzeug, das bei dem hier Fragenden bereits erkennbar ist. Dazu tritt, wie bei Peter Pietralczyk oder Reiner Langer ein experimentelles Arbeiten, dass deshalb auch Misserfolge kennt. Misserfolge kann man andererseits über Vorstudien und Skizzen minimieren, weil die für Kunst notwendige Abstraktion aus den Vorarbeiten heraus auf diesen aufbauend erfolgt. Einen ganz ähnlichen Ansatz, wie den letztgenannten verfolge im Übrigen auch der Autor dieser Zeilen mit seiner Schriftstellerei. Friedrich Nietzsche nannte es ein „Über-sich-Hinausbauen“, mit dem man dem Werk von einer zur nächsten Stufe weiter an Tiefe und Kraft mitgeben kann. Auch gute Musiker müssen ein Musikstück erst ziemlich perfekt nachspielen können, bevor sie es mit eigenen Songelementen eine Abstraktionsebene höher spielen und damit aufwerten können. Gut gecoverte Songs können besser sein als das Original und damit zwei „Väter des Erfolges“ kennen, nämlich denjenigen, der die ursprüngliche Melodie verfasste, und denjenigen, der es zeitgemäß oder mit zusätzlichen Ideen und Elementen aufwertete.

Was also ist Kunst, was Kultur, Kitsch oder Kommerz? Und was ist einfach nur Mist? Diese Frage warf bereits das Projekt „Hürdenlauf für Künstler“ auf, ohne eine letztgültige Antwort geben zu können, denn vieles entwickelt sich erst im Auge des Betrachters. Ein gutes Bild sollte vielleicht einfach im Kopf bleiben, ein guter Song im Ohr oder ein guter Text das Kopfkino ans Laufen bringen. Doch leider funktioniert das nicht bei Jedem und kann damit nicht als Kriterium für Kunst oder Kultur herangezogen werden. Denn nicht selten verweigert sich der Betrachter, Hörer oder Leser dem Werk, weil er es von vornherein aus Überzeugung ablehnt oder aber Angst hat, sich darauf einzulassen, weil es nämlich ihn oder seine Sichtweise verändern könnte. Dennoch bleibt es Kunst, besser gesagt: Jetzt ist sie es erst recht, weil sie bewegt. Doch auch das ist selbstredend kein echtes Kriterium, weil wir Pamphlete kennen, die den Menschen die Birne weichmachen, Bilder kennen, die manipulieren und Songs, die die Menschen gegeneinander aufbringen. Und wer bestimmt letzten Endes, was gut war oder schlecht, Politik oder Kunst – die Zeit? Was hier für ein kleines Resümee bleibt, ist die Forderung nach gutem, handwerklichen Rüstzeug. Dazu treten muss der Versuch, nicht nur die Wirklichkeit abzubilden oder allein grafische Elemente zu verwenden. Der Künstler muss stattdessen aus eigenen Gedanken mit veränderter Sicht dem Betrachter, Hörer oder Leser die Möglichkeit eröffnen, für sich selbst eine Abstraktionsebene „hinaufzuklettern“. Er muss Anstöße geben, Dinge zu hinterfragen oder einmal den Blickwinkel zu verändern.

Das „Grüne Sofa“ wird zum Markenzeichen

11.02.2015 Autoren und Bücher, Das Grüne Sofa, Projekt Highlights Keine Kommentare

Gemeinsamer Auftritt der Literaten ein voller Erfolg

Gemeinsamer Auftritt der Literaten ein voller Erfolg

Nunmehr zum siebten Mal präsentierte sich am 10.2.2015 das „Grüne Sofa“ als eigenständige Veranstaltungsreihe parallel zu den Ausstellungen der Maler im Rahmen von „Kunst statt Leerstand“. Die weiteren Auftritte der Gruppe, wie etwa beim „Bratapfelmarkt 2013“, Teilnahmen an der „Blauen Stunde“ in der Stadtbücherei Hilden, bei „CrossArt“ etc. sowie die Durchführung diverser Einzel- und Zweierkampagnen seien nicht verschwiegen, ebenso wenig die Aktivitäten rund um gemeinsame Planung von Aktionen oder auch das Zusammenwirken bei Kunst- und Literaturprojekten. Doch hier sei einmal der Fokus auf das „Grüne Sofa“ gerichtet, bei dem an dem besagten Dienstag gleich sieben völlig unterschiedliche Typen und Tempramente auftraten und ihre Literatur zum Besten gaben.

So konnten die Zuhörer Lyrik von düster bis heiter oder auch Prosa von sachlich bis humorvoll erleben. Die Zuhörer kamen jedenfalls voll auf ihre Kosten. Selbst die Presse war zum Sammeln guter Eindrücke erschienen und von der Veranstaltung sichtlich angetan. Um Ihnen einen Eindruck vom Abend zu vermitteln, ist nachfolgend eine kleine Galerie mit Bildern von Teilnehmern und Zuhörern eingefügt. Verbunden ist dies mit der Hoffnung, dass wir je nach Thema vielleicht auch einmal Sie in unserer Mitte begrüßen dürfen, sofern Sie nicht ohnehin schon bei uns waren. Noch einmal zu Ihrer Erinnerung: Das „Grüne Sofa“ findet jeweils am zweiten Dienstag im Haus Arndt am Marktplatz statt und beginnt um 19 Uhr 30. Zum genauen Veranstaltungsort bitte fragen, weil wir bei gutem Wetter auf der Terrasse sind, bei schlechtem im Saal unterm Dach oder, wie gestern, uns in der ersten Etage in gleich mehreren Räumen ausbreiten dürfen.

 

Umzug im Karree

11.02.2015 Allgemeine Themen, Maler und Ausstellungen, Showroom Marktkarree 2 Kommentare

Im Jahr 2015 wollte die Gruppe nicht so recht „in die Puschen kommen“, weil das Damoklesschwert der Kündigung der Räume über unseren Häuptern schwebte. Als sich allerdings der Termin für die Unterzeichnung des Mietvertrages zum dritten oder vierten Mal verschoben hatte, wurde die Durchführung der nächsten Ausstellung angepackt. Sie wurde am Dienstag, dem 3.2.2015 beschlossen und bereits am 4.2. und 5.2.2015 eingestielt. So präsentierten wir unsere Schau unter dem Titel „Märchenhaft“ mit Vernissage wie gewohnt an einem Samstag, nämlich dem 7.2.2015. Doch gleichen Tags erfuhren wir, dass der in Rede stehende Mieter nun doch unterschrieben hatte, nach vielfachem Zaudern und Zögern und einem Urlaub dazu. So wurde der Tag der Vernissage von „Märchenhaft“ zugleich zum Tag der Finissage. Doch mit dem „Rausschmiss“ erhielten wir ebenfalls ein neues Angebot, nämlich den Ex-„Jack & Jones“-Laden gegen den Ex-„Tiger-Hobby“ einzutauschen und statt auf 180 qm nunmehr auf 400 qm residieren zu dürfen. Für uns war das keine Frage, wir griffen sofort zu. Und da der Baubeginn im „Jack & Jones“ auf den 11.2.2015 festgelegt wurde, galt es für uns, sofort umzuziehen.

Am 9.2.2015 bekamen wir um 9 Uhr die Schlüssel und durften erst einmal den „Tiger-Hobby“ ausräumen. Dazu mussten Kilometer lange Stahlregale auseinander genommen und nach Größen der Bauteile getrennt gestapelt und verstaut werden. Der Laden war zu säubern und unser gesamtes Hab und Gut musste eine Etage nach oben verbracht werden. Da sammelt sich so Einiges an, zumal wir ursprünglich in vier Lokalen starteten, von denen zwei teils „Ruinen“ glichen. Holzböcke, Leisten, Schalbretter, Decken, Wand- und sonstige Bespannungen etc. mussten zusätzlich zu den Bildern und Skulpturen (von 150 Gramm leicht bis zu 150 Kilogramm schwer) eine Etage nach oben verbracht werden. Und – man höre und staune – wir haben diese Meisterleistung in allerkürzester mit Bravour hingelegt. Nach 8 Stunden Montags und noch einmal 7 am Dienstag stand die neue Ausstellung in den neuen Räumen. Nun allerdings bremst uns Karneval aus, sogleich eine Vernissage zu veranstalten, denn von Donnerstag bis Rosenmontag tut sich hier nicht viel, teilweise ist das Karree sogar tagsüber abgeschlossen.

Daher wurde die Vernissage auf den 21.2.2015 terminiert, weil am Donnerstag zuvor noch die Ausstellung „Vier Elemente“ in der Rheinischen Kliniken des LVR an den Start gehen wird. So darf sich das Langenfelder Publikum (doch nicht nur dieses) zukünftig auf mehrere Ausstellungen der Gruppe zu gleicher Zeit freuen. Und das „Grüne Sofa“ gibt es obendrauf, neben den Musikveranstaltungen der mit uns in Freundschaft verbandelten Musiker, soweit sie nicht der Gruppe zugehören, wie etwa beim Woodslach-Festival am 21.03.2015 und 22.3.2015.

 

Unsere Ausstellungen im EG des Marktkarrees

07.02.2015 Falter-Geschichte, Maler und Ausstellungen, Showroom Marktkarree Keine Kommentare

Im Marktkarree bespielten wir von Mitte Mai 2014 bis Ende Januar 2015 den (halben) ehemaligen „Jack & Jones“-Laden, soweit nicht an die „Candle-Factory“ vermietet. Mit neuen Bildern und Skulpturen startete daher am 7.2.2015 unsere Ausstellung “Märchenhaft” in eben jenem Leerstand, in der Hoffnug, dort noch bleiben zu können. Selbstredend waren neben vielen unserer bildenden Künstler die Autoren unserer Gruppe mit ihren Werken vertreten. Gleichen Tags erfuhren wir jedoch, dass wir umziehen müssen, sodass Vernissage und Finissage auf einen Tag fielen. Damit endete unsere Ausstellungsserie im Jack & Jones, der damit im zweiten Halbjahr 2014 so etwas wie zu unserer „Heimat“ wurde. (Näheres dazu auch im Artikel: „Umzug im Karree„)

Hier jedoch ein kleiner Rückblick: Eine Schau kleiner Formate mit über 300 Bildern, dazu Büchern und Skulpturen, alles zu erschwinglichen Preisen lief unter dem Titel „Nasenkino für Kurzsichtige“ im Dezember 2014 und Januar 2015. Zuvor konnten die Zuschauer eine fünfte, komplett neue Ausstellung im Marktkarree unter dem Titel „Vier Elemente“ erleben. Am Start waren Frank Höveler, Reinhard Frotscher, Sigrid von Krüchten, Eddi Bächer sowie Elke Andrea Strate. Unsere vierte Ausstellung „Impulse“ mit Tasmie, Frank Höveler und Sigrid Shafag öffnete übrigens mit Live-Bodypainting von Reiner Langer. Zuvor begeisterten Frank Höveler, Reiner Langer, Sigrid von Krüchten und Eddi Bächer mit einer gut gelungenen Mischung in „Mensch„.  Die vier lösten Birgit Schubert, Elke Strate sowie „IG-KLM-Urgestein“ Peter Pietralzcyk, den Initiator der Aktion „Kunst statt Leerstand“, mit „Wasser im Dialog“ ab. Und unsere ersten beiden Schauen liefen noch unter dem großen Titel „Kunst statt Leerstand“ ohne konzeptionelle Ausrichtung.

Märchenhaft kurz

Vernissage und Finissage am selben Tag, unsere Ausstellung „Märchenhaft“ am 7.2.2015

Eins, zwei, drei ganz viele...

Viele und doch nicht alle im Bild beim „Nasenkino für Kurzsichtige“. Hier fehlen noch Helmut, Reiner und Frank (und die, die nicht mitmachten)

Maler zum Vierten

Tasmie, Frank, Sigrid – mit „Impulse“ eine super Show!

neue Maler im Sept

Frank, Reiner, Sigrid und Eddi überraschten bei „Mensch“ mit Vielfalt

Drei Maler im Marktkarree, die aktuelle Ausstellung

Drei Maler bei „Wasser im Dialog“: Birgit Schubert, Elke Strate und Peter Pietralcyk im Marktkarree.