Kategorie: Falter und Welt

Fundus Artifex

schrieb am 04.01.2017 - Allgemeine Themen, Falter und Welt - 2 Kommentare

Zu unserem ersten Regeltreffen in 2017 hatten wir den Präsidenten „Kadée“ von Fundus Artifex zu Gast und konnten ihm „auf den Zahn fühlen“.

Natürlich soll man die Bedeutung „gewöhnlicher“ Treffen und Diskussionen nicht zu hoch hängen, doch trafen gestern abend nicht nur Personen, sondern zugleich zwei Konzepte aufeinander. Das war zum einen Kadée mit seiner Vorstellung einer Art Franchise in Sachen Kunst (und einem konfuzianischen Führungsstil). Zieht übrigens nach sich, er gibt vor und schafft Rahmenbedingungen, wofür ihm abhängige Gruppenmitglieder Mitgliedsbeiträge entrichten sowie ihm zu einem gewissen Teil Gefolgschaft schulden. Zum anderen war das der Unterzeichner mit seiner an Laotse angelehnten Art der Führung: Ein „Berufener“ führt, ohne als „Einpeitscher“ zu handeln, und „das Volk“ wird von selbst Rohholz. Das ist natürlich eine sehr grundsätzliche und dazu philosophische Betrachtung, kennzeichnet jedoch die Stile in den Grundzügen.

Nun sind wir selbstredend noch lange nicht soweit, die Erfolge beider Konzepte abschließend zu würdigen. Fundus Artifex besteht erst seit 20 Monaten und ist mit Vorlaufphase bis zur Reife des Konzeptes auf 15 Jahre bemessen. Zunächst nämlich gilt es noch, Gruppen zu gründen, und die müssen dann ans Laufen kommen. Das kostet Zeit und ist von den Köpfen in den Gruppen abhängig. Kadée will dazu hoch hinaus, will 400 Gruppen (allein in Deutschland) zu je 20 Künstlern, alle selbst organisiert und in den Rahmenbedingungen von Fundus Artifex abhängig. Dagegen sind wir schon knapp 5 Jahre alt, haben inzwischen 40 Mitglieder, weitere 30 temporär „durchgeschleust“, und sind mit inzwischen sieben Konzeptlinien, nämlich: Ausstellung Marktkarree, Grünes Sofa, Offenes Mikro, Offene Bühne, Crossover zwischen Kunst-Literatur und Musik sowie entsprechenden Aktionen außerhalb sehr erfolgreich. Dazu gesellen sich Schulungen, Workshops und sonstige Veranstaltungen.

Damit spräche zunächst einmal alles für uns und ein Konzept einer basisdemokratischen Selbstorganisation. Die Frage allerdings, ob unser Konzept über Langenfeld hinaus tragfähig sein könnte, ist damit nicht beantwortet. Andererseits bleibt in meinen Augen die Überlegung offen, ob und inwieweit Größe Qualität ersetzen kann. Denn zum einen sind wir nicht wie Fundus Artifex auf Expansion ausgerichtet und zum anderen klappte es bislang prima, wenn die „Teilnehmer“ bei uns selbst erkannten, ob ihre Qualität für eine Zugehörigkeit zum Falter ausreicht. Qualität scheint dagegen aktuell, in der Gruppe Fundus Artifex eine eher untergeordnete Rolle zu spielen. Wichtiger sind dort (zumindest im Moment) der „Schwur auf die Verfassung“ sowie die Entrichtung des geforderten Mitgliedsbeitrags, wofür Vorteile in den ökonomischen Rahmenbedingungen geboten werden. Mitgliedschaften in mehreren Gruppen sind möglich. Allerdings sollen Aktionen der Gruppe Fundus Artifex immer Aktionen nur dieser Gruppe bleiben.

In diesem Zusammenhang befremdete uns die kategorische Ablehnung von gruppenübergreifender Zusammenarbeit. Entweder werde man Mitglied bei Fundus Artifex, und erhalte alle Vorteile, oder aber man bleibe bei Veranstaltungen von Fundus Artifex außen vor. Bei uns sind dagegen grundsätzlich alle Möglichkeiten der künstlerischen Entfaltung und Zusammenarbeit mit anderen offen. Wir haben schon mit fremden Gruppen und bei fremden Gruppen ausgestellt. Hierbei werden jeweils Räumlichkeiten und Netzwerke der anderen Gruppe mit genutzt. Zudem kann bei uns jeder selbst entscheiden, wo er ausstellt, mit wem er ausstellt und ob er gegebenenfalls noch in anderen Gruppen mit dabei ist. Zum Abschluss wurde deshalb – auf uns bezogen – herausgestellt, dass die beiden Konzepte nur miteinander vereinbar wären, wenn allenfalls einzelne Mitglieder des Falter bei Fundus Artifex mitmachen würden. Gefahr sähen wir allerdings im Falle einer Fundus-Artifex-Ortsgruppe Langenfeld, weil diese die eigenen Falter-Kollegen per Satzung nicht zu ihren Aktionen einladen dürfte. Ein damit entstehendes, konkurrierendes Nebeneinander wurde allgemein abgelehnt, weil es nicht nur Gefahr für den Falter wäre, sondern sogar zur Auflösung beider Gruppen führen könnte. Letzten Endes wurde es jedoch jedem selbst anheim gestellt, Fundus Artifex beizutreten (und sich damit zugleich mit einem 30-seitigen Konzeptpapier selbst zu knebeln oder eben nicht).

Damit noch einmal zur Eingangsaussage zurück: Größe und Ansatz beider Gruppen liegen weit auseinander. Dennoch bietet sich die weitere Beobachtung beider Gruppen aufgrund vollständig unterschiedlicher Konzepte an. Bei Fundus Artifex liegt der Schwerpunkt auf einer weiteren Kommerzialisierung der Kunst, bei Falter zählt die persönliche Freiheit des Künstlers um seiner Kreativität willen. Und genau deshalb könnte man tatsächlich eines Tages von einem zukunftsweisenden Treffen sprechen. Zurückschauend stellt sich dann vielleicht die Frage, wohin die Reise ging, entweder in Richtung Organisation aller Künstler unter einem (womöglich) beschränkenden Dach oder doch mehr in Richtung FREIHEIT. Und weil Fundus Artifex erfolgreich sein wird (für mich keine Frage), wird man womöglich wissen wollen, ob es Künstler gab, solche, die sich nicht vereinnahmen ließen, für ihre Überzeugungen eintraten und dafür auf „die schnelle Mark“ verzichteten.

Reinhard Frotscher im Karree

schrieb am 26.01.2016 - Allgemeine Themen, Falter und Welt, Projekt Highlights, Showroom Marktkarree, Texte zur Kunst - Noch keine Kommentare

Am 25.01.2016 strahlte der Infokanal des ZDF unter dem Titel „Kathagos vergessene Krieger“ einen Bericht ab, der sich mit der möglichen Entdeckung Südamerikas durch Menschen der Antike beschäftigte. Festungs-Rundbauten, Steinschleudern, Keramiken mit mediterranen Motiven, eine Axt mit Darstellung eines Altwelt-Tieres, rothaarige und blonde Indios usw. lassen auf eine frühe Entdeckung der neuen Welt durch antike Völker schließen. Infos zum Thema finden sich im Übrigen auch auf Wikipedia. Der Fernsehbericht jedenfalls stellte die Überlegungen unter anderem eines Hildesheimer Professors in den Mittelpunkt, der einen Aufbruch karthagischer Krieger sowie Kelten vermutet, die sich in Südamerika mit der einheimischen indigenen Bevölkerung vermischten. Genetisch lässt sich der Einfluss Europas und Nordafrikas dort auch nachweisen, man weiß nur nicht, wann dies geschah. Alle Indizien sprechen jedoch für eine Entdeckung auch Südamerikas lange vor Kolumbus.

Reinhards Wikinger

Installation „Wikinger in Amerika“ im Garten des Salon Kirch

Der zur „Gruppe Falter“ zählende Künstler „Reinhard Frotscher“ wurde während seines Südamerika-Aufenthaltes in den 1980er und 1990er Jahren selbst auf die beschriebenen Phänomene und weitere Spuren einer frühen Entdeckung aufmerksam. Seine eigenen Überlegungen hierzu flossen daher mit in sein künstlerisches Schaffen ein, wie etwa in seine Installation „Die Wikinger in Amerika“. Hierzu verwendete er Balken und Bretter aus südamerikanischen Flüssen, die er zu einer Gruppe der Nordkrieger zusammenstellte. Die erstmals in Langenfeld während der Ausstellung „Kunst statt Leerstand“ im Mai 2014 im Garten des ehemaligen Salons Kirch gezeigten Objekte (siehe Bild) sind derzeit wieder in Teilen während der noch laufenden Ausstellung „Eiszeit“ im Marktkarree zu besichtigen. Interessenten haben dort noch bis zum 30.01.2016 einschließlich die Gelegenheit, sich einen Eindruck von der ersten bekannten künstlerischen Umsetzung des Themas „Frühentdeckung Südamerikas“ zu verschaffen.    

Neue Künstlerpartnerschaft

schrieb am 16.12.2015 - Allgemeine Themen, Falter und Welt, Maler und Ausstellungen, Presse-Infos, Projekt Highlights - Noch keine Kommentare

Die erste Bestückung der kleinsten Galerie in LA Downtown

Die erste Bestückung der kleinsten Galerie in LA Downtown

Am 16.12.2015 eröffnete die „Künstlergruppe Falter“ eine Minigalerie in den Räumlichkeiten der Langenfelder Rockkneipe „Flohmarkt“. Alex Wolfart, Wirt und zugleich Drummer der Punkrock-Band „Massendefekt“ hatte dem Zusammenschluss von Malern, Bildhauern, Autoren und Musikern die Möglichkeit dazu eingeräumt. Nun werden parallel zu den Ausstellungen im Marktkarree Bilder der Gruppe auch im „Flohmarkt“ gezeigt. „Bislang kommen schon viele Fohmarkt-Gäste ins Karree“, so Peters, der sich jetzt noch mehr Zuspruch eines jüngeren und kunstinteressierten Publikums erhofft. Alex Wolfart stand als Musiker den Ideen der „Künstlergruppe Falter“ von Anfang an positiv gegenüber. „Für mich war es keine Frage,“ so Wolfart, „als der Wunsch und das Konzept an mich herangetragen wurden, der Gruppe den Platz zur Verfügung zu stellen.“ Die erste Kunstpräsentation, die nun eingeweiht wurde, weist allerdings nicht auf die laufende Ausstellung „Eiszeit“ hin, sondern hat bereits das „Puppentheater“ zum Thema. Künftig sollen allerdings beide Flächen (Karreee und „Flohmarkt“) gleichzeitig unter dem jeweiligen Motto bespielt werden. Interessierte können jetzt damit auch außerhalb der Öffnungszeiten des Marktkarrees Falter-Originalkunst genießen. Die im „Flohmarkt“ ausgestellten Exponate können dazu selbstredend erworben werden. Künstler und Kontaktdaten finden sich jeweils neben den Kunstwerken. Die Preise sind dann Verhandlungssache zwischen den Kaufinteressenten und den Künstlern. Das nachfolgende Bild zeigt den Sprecher der Gruppe, Claus-Peter Peters, zusammen mit dem Wirt des „Flohmarkts“, Alex Wolfart, bei der Einweihung der Minigalerie (Fotos: Reinhard Frotscher).

Peters und Wolfart prosten sich auf den Erfolg zu

Peters und Wolfart begießen ihren Erfolg mit einem Bier

Offener Brief zu den Anschlägen in Paris vom 13.11.2015

schrieb am 14.11.2015 - Allgemeine Themen, Diskussion, Falter und Welt - 1 Kommentar

Nachdem am 7. Januar 2015 das Attentat auf die Redaktion von Charlie Hebdo verübt worden war, bei dem direkt 11 Menschen starben (im Umfeld mit dem Supermarktüberfall, den Morden an zwei Polizisten sowie drei Tätern insgesamt 20 Menschen), wurden wir als „Künstlergruppe Falter“ aufgefordert, zu den Ereignissen Stellung zu beziehen. Wir taten es nicht, weil wir eine vorwiegend unpolitische Gruppe von überwiegend ambitionierten Hobbymalern, – fotografen, -musikern und -autoren, daneben einigen Semiprofis und wenigen Profis sind, denen die Kunst näher steht als die vermaledeite Politik. Bei der neuerlichen Anschlagsserie von Paris, bei der nach bisherigen Schätzungen 130 Menschen starben und die mit sechs Tatorten eine neue Dimension aufzeigte, möchte ich dennoch unser Schweigen als Sprecher der Gruppe, mit einer – ausdrücklich sehr persönlichen – Stellungnahme aufbrechen.

Ohne hier mit den Kollegen Rücksprache gehalten zu haben, gehe ich sicher nicht fehl, die Anschläge als einen barbarischen Akt zu verurteilen. Für eine Künstlergruppe, in der ein jeder mit Sprache um Kunst und Kultur ringt und in der sich ein jeder auf seine Weise künstlerisch mit der Welt auseinandersetzt, ist Terror kein Mittel des Ausdrucks. Für die Gruppe Falter verurteile ich daher alle terroristischen Anschläge und möchte zugleich den Angehörigen der Opfer unser Mitgefühl aussprechen.

Darüber hinaus stellt sich mir in diesem Zusammenhang allerdings die Frage, wie sich die Welt dieses Terrorismus’ erwehren könnte. Wer ernsthaft glaubt, von Terroristen in deren Krieg hineingezogen, diesen mit militärischen Mitteln lösen zu können, der irrt, wie das Beispiel Afghanistan zeigt. Und wer einer Anschlagsserie, wie der in den USA vom 11. September 2001 oder der neuerlichen von Paris, westliche Werte entgegensetzen will, erntet auf Seiten der Täter sicherlich nur ein Lachen. Dazu wird man ihn fragen, wessen Werte das denn seien und woher diese stammen. Und wenn man antwortet: „Es sind unsere christlichen Werte, dazu erkämpfte Werte in der französischen Revolution und im amerikanischen Bürgerkrieg“, wird sich das Lachen der Täter nur vergrößern. Dann werden Sie erkennen müssen, dass wir dem Wahnsinn keine grundsätzlichen Werte oder gar eine Werte-Überlegenheit entgegensetzen können. Das Morden wird von der anderen Seite deshalb auch wahrgenommen als der Kampf zweier Lager auf Augenhöhe, einem nur scheinbaren zudem, denn dem dortigen Propheten gehöre als dem Siegel der Propheten die wertegemäße Alleinführerschaft.

Was also bitte wollen Sie tun, um dem Wahnsinn ein Ende zu setzen: Wollen Sie kämpfen bis zum letzten Atemzug? Die westlichen Werte verteidigen bis der letzte Christ blutüberströmt im Kampf zusammenbricht? Oder zuvor gemeinsam mit Russland mit MIG’s und F-16 den nahen Osten mit Bomben, zur Not mit Atombomben zuschmeißen? Die Idioten von dort sind doch längst hier und haben ihre Verbohrtheit in unsere Gesellschaften getragen. Konvertiten sind überdeutlicher Beleg für die schwindende Akzeptanz des Christentums und eine vorgebliche Überlegenheit der dortigen Glaubenslehre.

Nein Freunde, auf dieser Ebene lösen wir den Konflikt in 1000 Jahren nicht. Das Einzige, das bleibt, wäre, die Glaubenslehren auf deren Grundstrukturen zurückzuführen, nämlich zu erklären, woher diese stammen. Es wäre zu erläutern, wie sie in das Spannungsfeld zwischen Mystik und Schamanentum gehören und dass sie eine zeitgeschichtliche Erscheinung waren, gedacht, der Menschheit schneller zu mehr Erkenntnissen und mehr Wohlstand für alle zu verhelfen. Dazu wäre zu erläutern, wie in den Lehren aus göttlicher Selbsterkenntnis, also aus dem Wissen um die eigene göttliche Aufnahme heraus, in unzulässiger Verallgemeinerung die Glaubenssysteme erwuchsen. Natürlich wäre ebenso dazulegen, wie aus schamanischen Séancen Kenntnisse über die Welt sowie Heilwissen zusammengetragen wurden, zu einer Zeit, als es noch keine Wissenschaften gab. Danach könnte man die Religionen auflösen und dazu die – selbstredend außerhalb des Christentums geschöpften – Menschenrechte zu einem Grundpfeiler einer neuen Welt-Gesellschaft werden lassen. Man könnte den Menschen zudem erklären – denn das fasziniert sie ja an Religion – wie sie für ihr eigenes Seelenheil Einsichten erlangen und sich den Eintritt in das Himmelreich verdienen können. Man kann sie überdies lehren, wie sie nicht nur Schöpfer ihrer eigenen Religion werden, sondern zugleich in Toleranz mit ihren Mitmenschen leben können. Denn nur das ist es, was uns am Ende dazu verhelfen wird, die unseligen Kämpfe um die Vormachtstellung irgendeines Propheten zu überwinden.

 

 

Ist der „Falter“ politisch?

schrieb am 04.08.2015 - Allgemeine Themen, Falter und Welt, Falter-Geschichte - Noch keine Kommentare

Bereits diverse Male wurden wir als Künstlergruppe aufgefordert, uns politisch zu äußern. Es sei die Pflicht der Künstler, erst recht in der Gruppe, usw. Verwiesen wird dabei auf Konzerte für oder gegen etwas, Pamphlete zur Unterstützung von Dissidenten etc. Von unserer Seite wurde und wird dann stets darauf verwiesen, dass wir ein Zusammenschluss von Profis und ambitionierten Hobbykünstlern sind, wobei sich alle zunächst einmal in ihren künstlerischen Bemühungen unterstützen wollen. Daneben gibt es zwar, breit gefächert, politische Meinungen, jedoch keine politische Meinungsbildung in der Gruppe. Andererseits achten wir darauf, dass sich niemand mit menschenverachtenden oder rassistischem Gedankengut bei uns einfindet. Insoweit könnten wir uns als Demokraten tatsächlich zu gemeinsamen politischen Statements zusammenfinden, zumal ein jeder in der Gruppe seine Meinung frei äußern und außerhalb der Gruppe frei politisch agieren darf.

Ist das aber gewollt? – Nein, es ist nicht gewollt, weil wir nämlich eine Künstlergruppe und keine Politikgruppe sind. Damit sind wir andererseits nicht per se apolitisch, denn wie kann eine Vereinigung von denkenden Menschen, dazu im öffentlichen Raum, die sich Toleranz und Basisdemokratie auf die Fahne geschrieben hat, unpolitisch sein? Das ginge nicht zusammen. Wir leben jedoch, statt über (Tages-)Politik zu reden, ein entspanntes Miteinander fast ohne Führung. Dazu sind wir auch kein Verein und haben keinen Vorstand. Stattdessen haben wir eine notwendige Struktur mit Obleuten zur Durchführung unserer Veranstaltungen, für unsere Pressearbeit und für unsere Webauftritte. Ein bisschen mehr Kandare könnte womöglich sogar mehr Erfolg verheißen. Dennoch, wir wollen zwar den Erfolg, jedoch nicht um den Preis der Knechtung. Denn bei uns wird persönliche Freiheit hochgehalten.

Fassen wir es zu einer Frage zusammen: So etwas wie „Politik betreiben“, indem man Freiheit lebt, Toleranz übt und sich basisdemokratisch zu Projekten zusammenfindet? Ja! Und das soll funktionieren? Ja, es klappt, sogar vorzüglich – und dahinter steckt auch ein Konzept. Wir alle kennen zumeist nur konfuzianisches Denken und eine ebensolche, von Führung und Unterordnung geprägte Politik. Dagegen steht ein Politikentwurf, den man bei Laotse nachlesen kann, wo nach seiner Empfehlung ein Berufener die Zügel schleifen lässt und das Volk sich dennoch findet. Diese Art des Zusammenwirkens probieren wir aus (weil wir nämlich allesamt intelligente und verantwortungsbewusste Menschen sind). Wir sind damit zwar eine deshalb von der Tagespolitik abgekoppelte, wegen unserer Nicht-Führung dennoch sehr politische Gruppe.

Dieses Konzept hat dann zur Folge, dass wir uns nicht wie alle anderen zur Tagespolitik aus dem Fenster lehnen. Nehmen wir dazu einmal das Beispiel „Charlie Hebdo“ heraus: Damals blieb selbst den engagiertesten Künstlern nur, sich pflichtgemäß aufzuregen, mehr nicht. – Wissen Sie was? Eine ungehörte Meinungsäußerung, nur um sich selbst auf die Schulter zu klopfen, ist Nonsens. Und wenn ich aus meiner Lebenserfahrung zusteuern darf: Mich nur pflichtgemäß aufzuregen, kannte ich bereits aus meiner Zeit als Betriebsrat. Damals war ich es gewohnt, hinterher zu hecheln. Unsere Gruppe jedoch geht mit ihrem Konzept voran. – Das glauben Sie nicht? Herrschaften, ich bin Mystiker, zudem Gründer und so etwas wie der Sprecher der Gruppe. Dass ich mich mit Nicht-Führung auskenne, dürfen Sie mir abnehmen und nachlesen können Sie es zudem, auf meiner Webseite forum-freie-mystik.de

Doch auch wir zeigen Flagge. Denn wenn die Gruppe so etwas wie Standpunkte offenbart, so sind es solche mit dem eigenen Handeln, etwa ein Eintreten für persönliche Freiheit, für Kreativität, für Basisdemokratie, für ein entspanntes Miteinander, für Chancen, für Entwicklung, dies für alle, weltweit und bis in eine ferne Zukunft. Diese Forderungen setzen übrigens eine Grundsicherung für alle Menschen weltweit voraus. Dieses Konzept hat zudem Bildung und Anleitung zur Kreativität zum Inhalt. Also bitteschön, warum sollten wir uns, ohne gehört zu werden, zur Tagespolitik äußern? Das lassen wir denen, die ohne Konzept unterwegs sind und die ansonsten gerne hinterherhecheln.

Zur Ergänzung sei auf unsere „Goldenen Regeln“ sowie die Überlegungen zu den „Aufgaben des Kurators“ verwiesen.

„Im Moment nicht“

schrieb am 22.11.2014 - Diskussion, Falter und Welt, Texte zur Kunst - Noch keine Kommentare

Unsere schwarze Augenbinde

Gesellschaftskritische Installation zum Zustand des Planeten

Die Installation versteht sich als fundamentale Kritik an den aktuell (Wechsel 2014/15) zu beobachtenden gesellschaftlichen Zuständen. Im Vordergrund liegt die Nachbildung der bekannten maltesischen Magna Mater (Großen Mutter) als Göttin der Weisheit. Ihre Funktion erklärt sich aus der hochgehaltenen Phiole, eben keinem „Füllhorn für Weisheit“, sondern einer Flasche mit schmalem Hals, aus der sie zuweilen – und dies auch nur sehr verhalten, eben tröpfchenweise – einen bei ihr Anfragenden bedient. Die maltesische Magna Mater entspricht mit ihrer Phiole sowie ihrer Haltung damit im Übrigen zugleich der ebenso bekannten Darstellung der Guan-Yin in China, bzw. Kuan-Yin in Japan. Sie trägt in dieser Installation zudem eine schwarze Augenbinde, damit sie zum einen selbst das Elend um sich herum nicht sieht und weil sie zum anderen von den Menschen nicht mehr gesucht und wahrgenommen wird. Aus dem Grunde des „Versteckt-Seins“ liegt sie zudem in einem herbstfarbenen Gestrüpp, Sinnbild für das nahende Ende des siechenden Planeten sowie ihre tatsächliche Verborgenheit.

Die gesellschaftlichen Zustände werden durch die weiteren Teile der Installation symbolisiert. Da sind zur Rechten des Betrachters zwei Krieger im Bild, ob Azteken, Olmeken, Mayas, Mongolen oder Wikinger bleibt offen. Sie zeigen den kriegerischen Zustand des Planeten, auf dem tagtäglich irgendwo Krieg gegen die eigene Rasse sowie gegen die Natur geführt wird. Zur Ihrer Linken und über der Magna Mater wie ein Damokles-Schwert schwebend, finden sich Münzen als Symbole unserer vorgeblichen inneren Werte. Unsere weltweite Gesellschaft ist nämlich eine solche von Kriegsfürsten, deren einziges Streben die Gewinnmaximierung ist. Und über Allem thront auf dem Kasten, der uns wie ein Fernseher oder PC-Monitor vorkommt, ein wütender Drache. Im fernen Osten ist er, kriegslüstern wie er hier gezeigt wird, ein Menetekel des Untergangs. Hier symbolisiert er zugleich unseren Fernseh-Voyeurismus, wo wir Beobachter bleiben, ohne uns gegen den Untergang des Planeten oder selbst gegen unseren eigenen aufzulehnen. Damit verweist die Installation zugleich auf den Betrachter zurück, der sich nicht einmischt und sich auch nicht um Weisheit bemüht. Wir haben dazu vorgeblich „keine Zeit“, weil wir Krieg führen müssen, uns ablenken oder unseren Gewinn maximieren müssen. Das ist dann unsere schwarze Augenbinde, mit der wir weder die Welt noch uns betrachten. Für Weisheit und wirkliche innere Werte haben wir vorgeblich keine Zeit, zumindest „Im Moment nicht„.

(Installation und Text: Claus-Peter Peters)