Metaphysik-Literatur-Installation

schrieb am 10.09.2016 - Metaphysik-Literatur-Installation - Noch keine Kommentare

Kapitel 2: Einführung in die Metaphysik-Literatur-Installation

Kapitel 2 enthält die allgemeine Dokumentation zur Metaphysik-Literatur-Installation.

Überblick über die Metaphysik-Literatur-Installation

Metaphysik-Literatur-Installation

Nachfolgend finden Sie eine Erläuterung zur Metaphysik-Literatur-Installation: Die Metaphysik-Literatur-Installation (Teil 1) soll zur Selbstreflexion anregen. Spiegel zu Beginn ermöglichen ein Betrachten von vielen Seiten, um sich selbst besser zu erkennen. Spiegelflitter sowie ein dahinter liegender Spiegel verwischen die Konturen wieder. Kern des Aufbaus bilden danach drei Wände mit Texten  insbesondere aus Goethes „Faust“. Goethe wollte mit diesem metaphysischen Werk seelische Entwicklung aufzeigen und das Wissen hierum an einen verständigen Leser weitergeben. Dazu war er im ersten Teil zunächst auf schamanischem Wege unterwegs, um schließlich – diesen Irrtum korrigierend – im zweiten Teil zur Mystik zu wechseln. „Jungfrau, Mutter, Königin, bleibe gnädig“, beendete er daher ein Streben, das ihm persönliche Freiheit sowie die erwünschte Weisheit offenbarte. Damit zu den einzelnen Stationen:

Teil 1: Gewohnte Spiegel zeigen den Menschen von außen. Das Spiegelbild des Betrachters erscheint klar umrissen. Allerdings wird die Sichtweise auf sich selbst bereits verändert mit „Ich – liebe – mich“. Des Weiteren zeigen Tafeln mit Wortspielen aufeinander aufbauende Abstraktionsebenen, die durch Schranken begrenzt werden. Jedes „Über-sich-Hinausbauen“ wird durch „Naturgesetze“ gedeckelt, die zugleich dem Streben zugrunde liegen.

Spiegel der Installation

Spiegelflächen der Metaphysik-Literatur-Installation

Teil 2: Zerrspiegel und Spiegelflitter zeigen den Betrachter kaum noch erkennbar. Sie verweisen auf ein tieferes Bild des Menschen und stehen für die innere Gestalt, die Seele. Um deren Entwicklung (die Metaphysik) bemühte sich Goethe im Faust. Dass es eine solche innere Gestalt gibt, erkennt der Mensch zumeist erst in der Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte.

Teil 3: „Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust, Die eine will sich von der anderen trennen. Die eine hält, in derber Liebeslust, sich an die Welt mit klammernden Organen. Die andere hebt gewaltsam sich vom Dust (= Staub) zu den Gefilden hoher Ahnen.“ Goethe zeigt sich im ersten Teil des Faust als Schamane, dessen Vitalseele seinen Körper beseelt, während die Freiseele zu den Ahnen reist. Er möchte mit der Seelenreise Wissen schöpfen („ob mir durch Geistes Kraft und Mund nicht manch Geheimnis werde kund“). Nachdem er jedoch, wie er es nannte, der greulichen Gesichte überdrüssig wurde, wechselte er zur Mystik.

Schamanentum in der Metaphysik-Literatur-Installation

Goethe als Schamane, erster Literatur-Teil in der Installation

Teil 4: „Konnt’ ich bisher die Unterirdischen loben, so wend’ ich mich in diesem Fall nach oben… Du! droben ewig unveraltete, dreinamig-dreigestaltete, Dich ruf’ ich an bei meines Volkes Weh, Diana, Luna, Hekate! Du Brust-erweiternde, im Tiefsten-sinnige, Du ruhig-scheinende, gewaltsam-innige, eröffne deiner Schatten grausen Schlund, die alte Macht sei ohne Zauber kund!“  Mit der Hinwendung zur Mystik geht die innere Entwicklung einher, die ein Herausziehen der männlichen Seele (den schönen Jüngling), ein anschließendes Ausbrennen der verbliebenen weiblichen Seele sowie die Wiedergeburt beider Seelenteile zur Folge hat. In der Installation kommt zur Seelenlosigkeit Goethes zunächst sein „literarischer Helfer“ Hafis zu Wort. Hesse und Nietzsche beziehen danach Stellung zum Vorbildcharakter des großen deutschen Dichters.

Die Mystik in der Metaphysik-Literatur-Installation

Goethe wendet sich der Mystik zu, beschreibt den inneren Weg

Teil 5: Laotse und Goethe (sowie der hier nicht zitierte Dante) verfügten über vergleichbare Gottesbilder aus den (wie zuvor) beschriebenen Prozessen heraus. Vordergründig stellte sich ihnen Gott als Frau dar, im Hintergrund jedoch wirkte für sie eine Trinität aus Frau-Mann-Liebe. Zum Gottesbild des Volkes wird das Grimmsche Märchen „Das Muttergottesgläschen“ erzählt. Abrundung erhält die Station durch die Auflösung der Gestalt des Teufels. Während der Lektüre kann der Leser durch einen Spiegel einen Blick auf eine Bild-Installation mit Teufelsfratzen werfen.

Teil 6: Diese weitere Bilder-Installation (u.a. mit den Teufelsfratzen) veranschaulicht, wie Religionen Menschen zu binden vermögen. Es sind Wirtschaftsbetriebe, die eine Reise ins himmlische Jerusalem nur vorgaukeln. Denn eine Himmelsreise ist nur möglich, wenn (nicht nur) nach Goethe zuvor die Persönlichkeitsentwicklung vollzogen wird, die dem  Frommen nötig sei, wie dem Bösen. Damit postulierte er das innere Naturgesetz, welches dem Wirken des Menschen zugrunde liegt. Die Metaphysik sei „dem frommen Manne nötig wie dem bösen“, denn ein jeder muss sich selbst erlösen.

Teil 7: „Nicht jeder kann /darf nach Mekka reisen“. Dem Betrachter wird die Sinnhaftigkeit einer (im Grunde beliebigen) Pilgerfahrt vor Augen geführt. Noch einmal wird dem Lebenssinn, nämlich der vertieften Selbstbetrachtung, dem Schöpfen eigener Weisheit mittels einer Reise durch die eigene Geschichte zugesprochen. Zugleich wird mit dem schwarzen Stein sowie der Sage zum Weissenstein der erste Teil der Metaphysik-Literatur-Installation abgeschlossen.

Die Pilgerfahrt sollte ins eigene Selbst führen

Der schwarze Stein, keine Kochplatte und kein Pilgerziel, sondern Stein des (Denk-) Anstoßes

Die Installation zum Thema „Du & Ich“

Zu Beginn: „Ich“ bin immer „ich“, doch wünsche ich mir nicht selten mehr Abstand zu mir selbst. „Du“ ist dagegen ein irgendwie geartetes Gegenüber. Wenn es mit dem Abstand zu sich selbst klappt, wird das „Du“ zugleich zu meinem unscharfen Abbild im inneren Spiegel. Dieser ersten Einschätzung folgt im Erkenntnisprozess der Versuch, sich über das innere Abbild Klarheit zu verschaffen und damit zugleich Weisheit zu schöpfen. Diese Auseinandersetzung mit sich und seiner Geschichte zieht zugleich seelische Entwicklung nach sich. Dabei wechselt die Betrachtung des „Ich“ zur Seele (zur eigentlichen Wesenheit des Menschen), während das „Du“ nun das Körperliche zum Inhalt hat. Am Rande notiert, wird dabei in manchen Prozessen (wie dem hier von Goethe beschriebenen) die Seele in zwei Seelenkörper gelöst, mit dann weitreichenden Folgen für den Blick auf das Selbst sowie das Selbstverständnis. Goethe sprach deshalb vom Meister, Nietzsche vom Rätselrater und Erlöser des Zufalls, weshalb ich mich zur Bezeichnung „Rätselmeister“ entschloss. Doch zurück: Jedenfalls bildet die Seele am Ende jeden (mystischen) Prozesses das „Ich“, während der Körper das „Du“ darstellt. Der Mensch ist nicht nur weise geworden, weiß nun um seine Funktion etc, er ist überdies damit zugleich auf den Tod vorbereitet. Die Metaphysik-Literatur-Installation zeigt somit auf, was passieren kann, wenn man sich auf sich selbst einließe.

Ein Ulk in der Metaphysik-Literatur-Installation

Ferngläser sollen einen Blick auf das himmlische Jerusalem ermöglichen

Noch kurz Grundsätzliches (nicht nur zu Goethes Ausführungen) im Einzelnen: Schamanen reisen mit der Freiseele, während die Vitalseele den Körper minimal am Leben erhält. Mystiker opfern im Idealfall zunächst die Vitalseele, um die Freiseele zu entwickeln, bis diese am Ende ausgebrannt wird. Die Wiedergeburt der beiden Seelenteile hat enorme Einsichten in das Leben zur Folge. Die Seele des Schamanen heilt dagegen nie, wobei andererseits deren (Heil- und Menschheits-) Wissen in alten Kulturen sehr geschätzt wurde. Beide entwickeln somit ihre weibliche Seelenseite, Schamanen unfreiwillig, Mystiker freiwillig. Es lässt sich andererseits auch nur die weibliche Seele entwickeln.
Die Entwicklungsmöglichkeit nur auf der weiblichen Seite hat wiederum Konsequenzen. Da die Seele von Gott geboren wird und Teil der großen göttlichen Seele bleibt, bedeutet dies für Gott: Gott ist im Wesentlichen Frau, aber auch Mann. Die beiden Seelenteile sowie Gott sind verbunden über Bänder der Liebe. So klar und deutlich hat es Goethe zwar nicht herausgearbeitet, doch werden dazu in der Metaphysik-Literatur-Installation weitere Autoren (Besonders Laotse) benannt. Letztendlich mag der Betrachter erkennen, dass Religion, Märchen und Literatur der Metaphysik entstammen und deshalb alle Interpretations-Wege miteinander vergleichbar sind.

Das Kapitel 3 führt weiter zu den Einzelheiten von Goethe als Schamane.

 

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