Kategorie: Diskussion

Um den Wert von Sprache

schrieb am 02.12.2015 - Allgemeine Themen, Autoren und Bücher, Diskussion, Texte zur Kunst - 1 Kommentar

und die Vorzüge des Englischen

Gestern wurde nach einem Regeltreffen – wieder einmal – die Diskussion um den Wert von Sprache geführt. Die eine Partei hielt die deutsche Sprache für die genaueste der Welt und führte dazu unter anderem ins Feld, dass philosophische Texte noch heute teils dort mit deutschen Fachausdrücken versehen werden, wo es in anderen Sprachen an einer exakten Begrifflichkeit hapere.

Dem stand unversöhnlich die Auffassung entgegen, dass man jeden Satz so interpretieren könne, dass verschiedene Sichtweisen und Sinndeutungen möglich seien. In diesem Zusammenhang wurde ein Sprachwissenschaftler angeführt, dem ein Satz gelang, der je nach Betonung mit gleich 7 unterschiedlichen Inhalten aufwarten kann. Dieses „Sprachkunstwerk“ sei schließlich der Beweis, so der weitere Vortrag, mit Recht die Möglichkeit einer jeden sprachlichen Festlegung auszuschließen. Die Ansicht kumulierte in der Aussage, Sprache eigne sich nur dann als Kommunikationsmedium unter zwei Menschen, wenn sie einander sähen. Und selbst in diesem Fällern komme es ja bekanntermaßen noch zu Missverständnissen. Zu allem Überfluss sei die deutsche Sprache mittlerweile untauglich geworden, alle bekanten Lebenssachverhalte aufzuzeigen. Ganz anders dagegen die englische, die eine um 500% größere Vielfalt an Begriffen kenne.

Mir stand zu der obskuren Auseinandersetzung mit einem Male der Satz im Kopf: „Prinzessin High rettet die Welt mit Blow-Jobs“. Dies ist ein zugegeben denglischer Satz, denn der recht neue Begriff „Blow-Job“ wurde ins Deutsche übernommen. Das macht in diesem Fall sogar Sinn, denn würde man statt des englischen „Blow-Job“ das deutsche Wort „blasen“ verwenden, würde die Mehrdeutigkeit des Begriffes „blasen“ offenbar (lassen wir das englische Wort “blow“ einmal dahinstehen). Es wird nämlich nicht sofort erkennbar, ob das Verb „blasen“ oder das Substantiv „Blasen“ gemeint ist bzw. verwendet wurde. Wenn ich andererseits formuliert hätte, „Prinzessin High rettet die Welt mit Blasen“, hätte dennoch jeder Erwachsene gewusst, was gemeint ist. Nicht zu verschweigen, ist natürlich der Nutzen einer solchen Mehrdeutigkeit: Wenn man nämlich im Falle eines Falles die Neugierde eines zufällig lauschenden Kindes mit Seifenblasen oder kochend heißend Erbsen befriedigen kann.

Doch lassen wir den Unsinn außen vor, wegen möglicher Mehrdeutungen ganz auf Sprache zu verzichten (denn darauf liefe es hinaus): Es bleibt die Einsicht, dass die deutsche Sprache als Wissenschaftssprache seit dem Zweiten Weltkrieg gegenüber dem Englischen an Wert eingebüßt hat. So werden heutzutage viele wissenschaftliche Werke in englischer Sprache abgefasst, statt wie einst in deutscher. Viele neue Sachverhalte waren und sind damit nun im Englischen zu umschreiben, dazu Begrifflichkeiten neu zu schöpfen, die inzwischen dank Wissenschaften, Werbung, Computer etc. auch unsere Alltagssprache bereichern. Zudem haben Autoren und Filmemacher, die im englischen Sprachraum lange nicht so eingeschnürt werden wie im deutschen, an der Fortentwicklung von Sprache gearbeitet. In Mitteleuropa hat man sich dagegen, das muss man zugestehen, stattdessen mehr um die Rechtschreibung oder Grammatikregeln bemüht.

Dennoch sehe ich darin mehr Vorteile für das Deutsche, denn in einer sich rasch aufblähenden Sprache wie dem Englischen wird es schwierig, den Überblick zu behalten. Selbst die findigsten Köpfe werden bald wegen endlicher Möglichkeiten der Sprachschöpfung nur noch Begriffe kreieren, die in mehreren Disziplinen und dort jeweils anders verstanden oder verwendet werden (und damit eine neue Mehrdeutigkeit auslösen). Für mich macht es wegen des mittlerweile gewaltigen Wissens der Menschheit ohnehin keinen Sinn, nur eine Sprache für alles zu verwenden, zu diesem Zweck das eigene Kommunikationsmedium für viele neue Felder zur Verfügung zu stellen (und damit zu verhunzen). Besehen wir uns noch einmal das Deutsche: Uns genügt die Beschränkung auf die „Nischen“ Philosophie und Mystik. Mit unserer, nicht im großen Fokus stehenden Sprache können wir, wo es nötig wird, diese dann behutsam mit Fremdwörtern bereichern. Ein tolles Beispiel bietet der obige Ausspruch, wo wir uns für eben das Alltägliche und Banale der englischen Begrifflichkeit bedienen können: „Prinzessin High rettet die Welt mit Blow-Jobs“. Selbstredend müssen wir uns um die Wahrheit dieses Spruchs nicht streiten, denn Prinzessin High ist bekanntermaßen tot und mit Blow-Jobs rettet allenfalls eine Pulp-Fiction-Heldin wie Kitty Moan unser Universum.

Offener Brief zu den Anschlägen in Paris vom 13.11.2015

schrieb am 14.11.2015 - Allgemeine Themen, Diskussion, Falter und Welt - 1 Kommentar

Nachdem am 7. Januar 2015 das Attentat auf die Redaktion von Charlie Hebdo verübt worden war, bei dem direkt 11 Menschen starben (im Umfeld mit dem Supermarktüberfall, den Morden an zwei Polizisten sowie drei Tätern insgesamt 20 Menschen), wurden wir als „Künstlergruppe Falter“ aufgefordert, zu den Ereignissen Stellung zu beziehen. Wir taten es nicht, weil wir eine vorwiegend unpolitische Gruppe von überwiegend ambitionierten Hobbymalern, – fotografen, -musikern und -autoren, daneben einigen Semiprofis und wenigen Profis sind, denen die Kunst näher steht als die vermaledeite Politik. Bei der neuerlichen Anschlagsserie von Paris, bei der nach bisherigen Schätzungen 130 Menschen starben und die mit sechs Tatorten eine neue Dimension aufzeigte, möchte ich dennoch unser Schweigen als Sprecher der Gruppe, mit einer – ausdrücklich sehr persönlichen – Stellungnahme aufbrechen.

Ohne hier mit den Kollegen Rücksprache gehalten zu haben, gehe ich sicher nicht fehl, die Anschläge als einen barbarischen Akt zu verurteilen. Für eine Künstlergruppe, in der ein jeder mit Sprache um Kunst und Kultur ringt und in der sich ein jeder auf seine Weise künstlerisch mit der Welt auseinandersetzt, ist Terror kein Mittel des Ausdrucks. Für die Gruppe Falter verurteile ich daher alle terroristischen Anschläge und möchte zugleich den Angehörigen der Opfer unser Mitgefühl aussprechen.

Darüber hinaus stellt sich mir in diesem Zusammenhang allerdings die Frage, wie sich die Welt dieses Terrorismus’ erwehren könnte. Wer ernsthaft glaubt, von Terroristen in deren Krieg hineingezogen, diesen mit militärischen Mitteln lösen zu können, der irrt, wie das Beispiel Afghanistan zeigt. Und wer einer Anschlagsserie, wie der in den USA vom 11. September 2001 oder der neuerlichen von Paris, westliche Werte entgegensetzen will, erntet auf Seiten der Täter sicherlich nur ein Lachen. Dazu wird man ihn fragen, wessen Werte das denn seien und woher diese stammen. Und wenn man antwortet: „Es sind unsere christlichen Werte, dazu erkämpfte Werte in der französischen Revolution und im amerikanischen Bürgerkrieg“, wird sich das Lachen der Täter nur vergrößern. Dann werden Sie erkennen müssen, dass wir dem Wahnsinn keine grundsätzlichen Werte oder gar eine Werte-Überlegenheit entgegensetzen können. Das Morden wird von der anderen Seite deshalb auch wahrgenommen als der Kampf zweier Lager auf Augenhöhe, einem nur scheinbaren zudem, denn dem dortigen Propheten gehöre als dem Siegel der Propheten die wertegemäße Alleinführerschaft.

Was also bitte wollen Sie tun, um dem Wahnsinn ein Ende zu setzen: Wollen Sie kämpfen bis zum letzten Atemzug? Die westlichen Werte verteidigen bis der letzte Christ blutüberströmt im Kampf zusammenbricht? Oder zuvor gemeinsam mit Russland mit MIG’s und F-16 den nahen Osten mit Bomben, zur Not mit Atombomben zuschmeißen? Die Idioten von dort sind doch längst hier und haben ihre Verbohrtheit in unsere Gesellschaften getragen. Konvertiten sind überdeutlicher Beleg für die schwindende Akzeptanz des Christentums und eine vorgebliche Überlegenheit der dortigen Glaubenslehre.

Nein Freunde, auf dieser Ebene lösen wir den Konflikt in 1000 Jahren nicht. Das Einzige, das bleibt, wäre, die Glaubenslehren auf deren Grundstrukturen zurückzuführen, nämlich zu erklären, woher diese stammen. Es wäre zu erläutern, wie sie in das Spannungsfeld zwischen Mystik und Schamanentum gehören und dass sie eine zeitgeschichtliche Erscheinung waren, gedacht, der Menschheit schneller zu mehr Erkenntnissen und mehr Wohlstand für alle zu verhelfen. Dazu wäre zu erläutern, wie in den Lehren aus göttlicher Selbsterkenntnis, also aus dem Wissen um die eigene göttliche Aufnahme heraus, in unzulässiger Verallgemeinerung die Glaubenssysteme erwuchsen. Natürlich wäre ebenso dazulegen, wie aus schamanischen Séancen Kenntnisse über die Welt sowie Heilwissen zusammengetragen wurden, zu einer Zeit, als es noch keine Wissenschaften gab. Danach könnte man die Religionen auflösen und dazu die – selbstredend außerhalb des Christentums geschöpften – Menschenrechte zu einem Grundpfeiler einer neuen Welt-Gesellschaft werden lassen. Man könnte den Menschen zudem erklären – denn das fasziniert sie ja an Religion – wie sie für ihr eigenes Seelenheil Einsichten erlangen und sich den Eintritt in das Himmelreich verdienen können. Man kann sie überdies lehren, wie sie nicht nur Schöpfer ihrer eigenen Religion werden, sondern zugleich in Toleranz mit ihren Mitmenschen leben können. Denn nur das ist es, was uns am Ende dazu verhelfen wird, die unseligen Kämpfe um die Vormachtstellung irgendeines Propheten zu überwinden.

 

 

Crossover – Die Mottenmodelle

schrieb am 21.05.2015 - Autoren und Bücher, Diskussion, Maler und Ausstellungen, Projekt Highlights, Showroom Marktkarree, Texte zur Kunst - Noch keine Kommentare

Die Gruppe bedauerte mein Tun vor ca. zehn Jahren, als sie von der Vernichtung meiner früheren Mottenmodelle erfuhr. Sie erbat sich ein neues Modell des von mir vermuteten „Versunkenen Schlosses“. Zugleich sollte das Ganze fotografisch begleitet und bildlich zu einem Crossover aufbereitet werden. Ein schriftstellerisches Crossover liegt bereits seit langem mit dem Buch „Die Sage(n) vom versunkenen Schloss“ vor. Nach einigem Zögern willigte ich ein und fertigte ein neues Modell auf fast 2 mal 2 Metern Grundfläche. Inzwischen erstrahlt es in voller Pracht und hält einige Besonderheiten bereit. So ist etwa am erkennbaren Aufbau der mutmaßliche Grund des Untergangs nachvollziehbar. Zudem erfreuen viele weitere Details nicht nur Kinderherzen. Einige ausführlichere Anmerkungen finden Sie übrigens am Modell selbst sowie zusätzlich auf meiner Webseite zur Stadtgeschichte „ritter-pitter.de“.

Das mutmaßliche, "versunkene Schloss" im Modell

Das mutmaßliche, „versunkene Schloss“ im Modell

So ein richtiges „Crossover“ war indes das Mottenmodell des versunkenen Schlosses in meinen Augen nicht. Ich wollte zusätzlich metaphysische Überlegungen und damit mein gesamtes schriftstellerisches Werk in ein solches Modell einfließen lassen. Da wir derzeit in einer Gemeinschaftsvitrine auf jeweils 50 mal 50 Zentimetern Grundfläche kreisrund gestaltete Objekte zu einer Gesamtschau vereinen (ähnlich den Falter-Nudelhölzern), kam mir der Gedanke eine „Yin & Yang“-Motte zu fertigen. Ein Bild finden Sie in der „Gallery“ nachfolgend, Erläuterungen zum Projekt auf meiner Webseite „forum-freie-mystik.de“.

Der Beitrag im Lokalkompass

Wie mache ich Kunst oder schaffe Kultur?

schrieb am 12.02.2015 - Allgemeine Themen, Diskussion, Texte zur Kunst - Noch keine Kommentare

Wieder einmal wurde aus unserer Mitte unter schonungsloser Offenlegung aller Selbstzweifel die jeden Künstler beschäftigende Frage gestellt: Wie mache ich eigentlich Kunst? Dabei wäre diese selbstkritische Frage bei manch Anderem deutlich wünschenswerter als beim Fragenden, weil bei Anderen schon das Handwerkszeug fehlt. Das Gleiche gilt natürlich ebenso für Literaten: Wie schaffe ich Kultur, wenn meine Werke nicht „nur“ reine Unterhaltungsprodukte sein sollen? Dass natürlich Malerei, Bildhauerei oder Musik zugleich Kultur sein können, lassen wir einmal ganz außen vor.

Ob der Fragende den Richtigen um Auskunft bat, dürfen Sie an dieser Stelle offenlassen. Ich tue das im Interesse der Sache einmal ebenso und beginne mit Beispielen aus unserer Gruppe. Der Maler und Bildhauer Peter Pietralzcyk malt oder gestaltet “aus dem Bauch heraus“. Das handwerkliche Rüstzeugs ist da, denn er ist von Beruf Maler- und Lackierermeister. Die für Kunst notwendige Abstrahierung nimmt er im Kopf vor, produziert andererseits „aus dem Bauch heraus“ auch genügend „Mist“, den er jedoch selbstkritisch übermalt oder umgestaltet. Die Keramikkünstlerin und Malerin Birgit Schubert etwa experimentiert mit Formen, Farben, Materialien und baut darauf auf. Bei ihr sind die Ergebnisse ebenfalls nicht immer von „künstlerischem Erfolg“ gekrönt. Oft muss sie sich mit Erfahrungen, Material- oder Verarbeitungswissen begnügen. Der Maler und Aktionskünstler Reiner Langer schöpft aus eigenen und fremden Grafiken mit zusätzlichem Einsatz verschiedener Maltechniken Collagen, die mal gut gelingen und mal weniger gut. Allen Ansätzen der Vorgenannten liegt also das Prinzip „Versuch und Irrtum“ zugrunde, gepaart mit handwerklichen Fertigkeiten sowie einem ordentlichen Material- und Verarbeitungswissen. Hinzu tritt eine Abstrahierungsstufe, nämlich bekannten Abbildungen, Formen oder Farben neue Aussagen zu geben, entweder für sich alleine oder aber im Zusammenspiel mit den übrigen Elementen des hergestellten Werks.

Einen völlig anderen Ansatz verfolgt der Maler und Bildhauer Reinhard Frotscher. Bei ihm entstehen viele seiner Werke auf Basis von Vorstudien, bei denen er ebenso ausprobiert, was geht und wie es wirkt. So kenne ich für sein Bild „Das Paradies“ insgesamt sechs solcher kleinen Vorab-Bildnisse. Danach jedoch geht er ein Hauptwerk mit Präzision an und schafft bewusst die für Kunst notwendige Abstraktionsebene. Auch die alten Meister schufen erst Skizzen oder kleine Studien, bevor sie an ein Meisterwerk herangingen. Dabei ist es offenbar ohne Belang, ob sie gegenständlich oder abstrakt malten, eine Abstrahierung erfolgt beim klassischen Vorgehen über zum Teil umfangreiche Vorarbeiten.

Zur Erinnerung: Erforderlich ist zum Einen ein ordentliches handwerkliches Rüstzeug, das bei dem hier Fragenden bereits erkennbar ist. Dazu tritt, wie bei Peter Pietralczyk oder Reiner Langer ein experimentelles Arbeiten, dass deshalb auch Misserfolge kennt. Misserfolge kann man andererseits über Vorstudien und Skizzen minimieren, weil die für Kunst notwendige Abstraktion aus den Vorarbeiten heraus auf diesen aufbauend erfolgt. Einen ganz ähnlichen Ansatz, wie den letztgenannten verfolge im Übrigen auch der Autor dieser Zeilen mit seiner Schriftstellerei. Friedrich Nietzsche nannte es ein „Über-sich-Hinausbauen“, mit dem man dem Werk von einer zur nächsten Stufe weiter an Tiefe und Kraft mitgeben kann. Auch gute Musiker müssen ein Musikstück erst ziemlich perfekt nachspielen können, bevor sie es mit eigenen Songelementen eine Abstraktionsebene höher spielen und damit aufwerten können. Gut gecoverte Songs können besser sein als das Original und damit zwei „Väter des Erfolges“ kennen, nämlich denjenigen, der die ursprüngliche Melodie verfasste, und denjenigen, der es zeitgemäß oder mit zusätzlichen Ideen und Elementen aufwertete.

Was also ist Kunst, was Kultur, Kitsch oder Kommerz? Und was ist einfach nur Mist? Diese Frage warf bereits das Projekt „Hürdenlauf für Künstler“ auf, ohne eine letztgültige Antwort geben zu können, denn vieles entwickelt sich erst im Auge des Betrachters. Ein gutes Bild sollte vielleicht einfach im Kopf bleiben, ein guter Song im Ohr oder ein guter Text das Kopfkino ans Laufen bringen. Doch leider funktioniert das nicht bei Jedem und kann damit nicht als Kriterium für Kunst oder Kultur herangezogen werden. Denn nicht selten verweigert sich der Betrachter, Hörer oder Leser dem Werk, weil er es von vornherein aus Überzeugung ablehnt oder aber Angst hat, sich darauf einzulassen, weil es nämlich ihn oder seine Sichtweise verändern könnte. Dennoch bleibt es Kunst, besser gesagt: Jetzt ist sie es erst recht, weil sie bewegt. Doch auch das ist selbstredend kein echtes Kriterium, weil wir Pamphlete kennen, die den Menschen die Birne weichmachen, Bilder kennen, die manipulieren und Songs, die die Menschen gegeneinander aufbringen. Und wer bestimmt letzten Endes, was gut war oder schlecht, Politik oder Kunst – die Zeit? Was hier für ein kleines Resümee bleibt, ist die Forderung nach gutem, handwerklichen Rüstzeug. Dazu treten muss der Versuch, nicht nur die Wirklichkeit abzubilden oder allein grafische Elemente zu verwenden. Der Künstler muss stattdessen aus eigenen Gedanken mit veränderter Sicht dem Betrachter, Hörer oder Leser die Möglichkeit eröffnen, für sich selbst eine Abstraktionsebene „hinaufzuklettern“. Er muss Anstöße geben, Dinge zu hinterfragen oder einmal den Blickwinkel zu verändern.

„Im Moment nicht“

schrieb am 22.11.2014 - Diskussion, Falter und Welt, Texte zur Kunst - Noch keine Kommentare

Unsere schwarze Augenbinde

Gesellschaftskritische Installation zum Zustand des Planeten

Die Installation versteht sich als fundamentale Kritik an den aktuell (Wechsel 2014/15) zu beobachtenden gesellschaftlichen Zuständen. Im Vordergrund liegt die Nachbildung der bekannten maltesischen Magna Mater (Großen Mutter) als Göttin der Weisheit. Ihre Funktion erklärt sich aus der hochgehaltenen Phiole, eben keinem „Füllhorn für Weisheit“, sondern einer Flasche mit schmalem Hals, aus der sie zuweilen – und dies auch nur sehr verhalten, eben tröpfchenweise – einen bei ihr Anfragenden bedient. Die maltesische Magna Mater entspricht mit ihrer Phiole sowie ihrer Haltung damit im Übrigen zugleich der ebenso bekannten Darstellung der Guan-Yin in China, bzw. Kuan-Yin in Japan. Sie trägt in dieser Installation zudem eine schwarze Augenbinde, damit sie zum einen selbst das Elend um sich herum nicht sieht und weil sie zum anderen von den Menschen nicht mehr gesucht und wahrgenommen wird. Aus dem Grunde des „Versteckt-Seins“ liegt sie zudem in einem herbstfarbenen Gestrüpp, Sinnbild für das nahende Ende des siechenden Planeten sowie ihre tatsächliche Verborgenheit.

Die gesellschaftlichen Zustände werden durch die weiteren Teile der Installation symbolisiert. Da sind zur Rechten des Betrachters zwei Krieger im Bild, ob Azteken, Olmeken, Mayas, Mongolen oder Wikinger bleibt offen. Sie zeigen den kriegerischen Zustand des Planeten, auf dem tagtäglich irgendwo Krieg gegen die eigene Rasse sowie gegen die Natur geführt wird. Zur Ihrer Linken und über der Magna Mater wie ein Damokles-Schwert schwebend, finden sich Münzen als Symbole unserer vorgeblichen inneren Werte. Unsere weltweite Gesellschaft ist nämlich eine solche von Kriegsfürsten, deren einziges Streben die Gewinnmaximierung ist. Und über Allem thront auf dem Kasten, der uns wie ein Fernseher oder PC-Monitor vorkommt, ein wütender Drache. Im fernen Osten ist er, kriegslüstern wie er hier gezeigt wird, ein Menetekel des Untergangs. Hier symbolisiert er zugleich unseren Fernseh-Voyeurismus, wo wir Beobachter bleiben, ohne uns gegen den Untergang des Planeten oder selbst gegen unseren eigenen aufzulehnen. Damit verweist die Installation zugleich auf den Betrachter zurück, der sich nicht einmischt und sich auch nicht um Weisheit bemüht. Wir haben dazu vorgeblich „keine Zeit“, weil wir Krieg führen müssen, uns ablenken oder unseren Gewinn maximieren müssen. Das ist dann unsere schwarze Augenbinde, mit der wir weder die Welt noch uns betrachten. Für Weisheit und wirkliche innere Werte haben wir vorgeblich keine Zeit, zumindest „Im Moment nicht„.

(Installation und Text: Claus-Peter Peters)

Hürdenlauf für Künstler

schrieb am 10.07.2014 - Diskussion, Projekt Highlights, Showroom Marktkarree, Texte zur Kunst - 1 Kommentar

Eine Projektidee von Helmut und Pepe, umgesetzt von Pepe.

Die hier im Bild gezeigte Installation berührt eine der grundlegenden Fragen eines jeden Menschen, der Kunst schaffen möchte: Ist es Kunst, Kunsthandwerk oder gar Kitsch, was ich da mache? An dieser Stelle waren sich die fremde Stücke spielenden Musiker in unserer Gruppe zunächst schnell einig und sahen sich selbst als „musikalische Handwerker“.

Hürden fürs Karree

Das „Rohmaterial“ für die Installation

Aufgebauten Hürden fürs M;arktkarree

Die aufgebaute Installation im Marktkarree, der Hürdenlauf eines jeden Künstlers

Aber sind sie das wirklich, wenn sie gut interpretieren und eigene Ideen einfließen lassen? Wann wird aus einem Musikanten ein Musiker? Eine Frage, die Musiker für sich selbst beantworten müssten. Und wo hört in der bildenden Kunst das Handwerk auf und wo beginnt sie, die Kunst? Ein kleiner Teil der Maler würde schon Dürers Feldhasen als einen Ausdruck höchster Kunst anführen. Dürer selbst jedoch fertigte das kleine Bild, welches heute in der Albertina in Wien in einem Durchgang ausgestellt wird, um damit seine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Er selbst also wäre bezüglich seiner kleinen Malerei mutmaßlich von exzellentem Kunsthandwerk ausgegangen, einzig hergestellt, um in einer Aktentasche transportiert, potentielle Auftraggeber von seinem Talent zu überzeugen. Insoweit verwundert es nicht, dass der größere Teil in unserer Gruppe zumindest ein Sprengen kunsthandwerklicher Fesseln und eine eigenständige Verwirklichung künstlerischer Ideen für erforderlich hält. Dem steht allerdings, oft nicht recht nachvollziehbar, eine erhebliche Wertschätzung für das eigene Werk nicht entgegen.

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