ï»ż Texte zur Kunst Archives - IG-KLM/ Falter Langenfeld IG-KLM/ Falter Langenfeld

Kategorie: Texte zur Kunst

Reinhard Frotscher im Karree

schrieb am 26.01.2016 - Allgemeine Themen, Falter und Welt, Projekt Highlights, Showroom Marktkarree, Texte zur Kunst - Noch keine Kommentare

Am 25.01.2016 strahlte der Infokanal des ZDF unter dem Titel „Kathagos vergessene Krieger“ einen Bericht ab, der sich mit der möglichen Entdeckung SĂŒdamerikas durch Menschen der Antike beschĂ€ftigte. Festungs-Rundbauten, Steinschleudern, Keramiken mit mediterranen Motiven, eine Axt mit Darstellung eines Altwelt-Tieres, rothaarige und blonde Indios usw. lassen auf eine frĂŒhe Entdeckung der neuen Welt durch antike Völker schließen. Infos zum Thema finden sich im Übrigen auch auf Wikipedia. Der Fernsehbericht jedenfalls stellte die Überlegungen unter anderem eines Hildesheimer Professors in den Mittelpunkt, der einen Aufbruch karthagischer Krieger sowie Kelten vermutet, die sich in SĂŒdamerika mit der einheimischen indigenen Bevölkerung vermischten. Genetisch lĂ€sst sich der Einfluss Europas und Nordafrikas dort auch nachweisen, man weiß nur nicht, wann dies geschah. Alle Indizien sprechen jedoch fĂŒr eine Entdeckung auch SĂŒdamerikas lange vor Kolumbus.

Reinhards Wikinger

Installation „Wikinger in Amerika“ im Garten des Salon Kirch

Der zur „Gruppe Falter“ zĂ€hlende KĂŒnstler „Reinhard Frotscher“ wurde wĂ€hrend seines SĂŒdamerika-Aufenthaltes in den 1980er und 1990er Jahren selbst auf die beschriebenen PhĂ€nomene und weitere Spuren einer frĂŒhen Entdeckung aufmerksam. Seine eigenen Überlegungen hierzu flossen daher mit in sein kĂŒnstlerisches Schaffen ein, wie etwa in seine Installation „Die Wikinger in Amerika“. Hierzu verwendete er Balken und Bretter aus sĂŒdamerikanischen FlĂŒssen, die er zu einer Gruppe der Nordkrieger zusammenstellte. Die erstmals in Langenfeld wĂ€hrend der Ausstellung „Kunst statt Leerstand“ im Mai 2014 im Garten des ehemaligen Salons Kirch gezeigten Objekte (siehe Bild) sind derzeit wieder in Teilen wĂ€hrend der noch laufenden Ausstellung „Eiszeit“ im Marktkarree zu besichtigen. Interessenten haben dort noch bis zum 30.01.2016 einschließlich die Gelegenheit, sich einen Eindruck von der ersten bekannten kĂŒnstlerischen Umsetzung des Themas „FrĂŒhentdeckung SĂŒdamerikas“ zu verschaffen.    

Um den Wert von Sprache

schrieb am 02.12.2015 - Allgemeine Themen, Autoren und BĂŒcher, Diskussion, Texte zur Kunst - 1 Kommentar

und die VorzĂŒge des Englischen

Gestern wurde nach einem Regeltreffen – wieder einmal – die Diskussion um den Wert von Sprache gefĂŒhrt. Die eine Partei hielt die deutsche Sprache fĂŒr die genaueste der Welt und fĂŒhrte dazu unter anderem ins Feld, dass philosophische Texte noch heute teils dort mit deutschen FachausdrĂŒcken versehen werden, wo es in anderen Sprachen an einer exakten Begrifflichkeit hapere.

Dem stand unversöhnlich die Auffassung entgegen, dass man jeden Satz so interpretieren könne, dass verschiedene Sichtweisen und Sinndeutungen möglich seien. In diesem Zusammenhang wurde ein Sprachwissenschaftler angefĂŒhrt, dem ein Satz gelang, der je nach Betonung mit gleich 7 unterschiedlichen Inhalten aufwarten kann. Dieses „Sprachkunstwerk“ sei schließlich der Beweis, so der weitere Vortrag, mit Recht die Möglichkeit einer jeden sprachlichen Festlegung auszuschließen. Die Ansicht kumulierte in der Aussage, Sprache eigne sich nur dann als Kommunikationsmedium unter zwei Menschen, wenn sie einander sĂ€hen. Und selbst in diesem FĂ€llern komme es ja bekanntermaßen noch zu MissverstĂ€ndnissen. Zu allem Überfluss sei die deutsche Sprache mittlerweile untauglich geworden, alle bekanten Lebenssachverhalte aufzuzeigen. Ganz anders dagegen die englische, die eine um 500% grĂ¶ĂŸere Vielfalt an Begriffen kenne.

Mir stand zu der obskuren Auseinandersetzung mit einem Male der Satz im Kopf: „Prinzessin High rettet die Welt mit Blow-Jobs“. Dies ist ein zugegeben denglischer Satz, denn der recht neue Begriff „Blow-Job“ wurde ins Deutsche ĂŒbernommen. Das macht in diesem Fall sogar Sinn, denn wĂŒrde man statt des englischen „Blow-Job“ das deutsche Wort „blasen“ verwenden, wĂŒrde die Mehrdeutigkeit des Begriffes „blasen“ offenbar (lassen wir das englische Wort “blow“ einmal dahinstehen). Es wird nĂ€mlich nicht sofort erkennbar, ob das Verb „blasen“ oder das Substantiv „Blasen“ gemeint ist bzw. verwendet wurde. Wenn ich andererseits formuliert hĂ€tte, „Prinzessin High rettet die Welt mit Blasen“, hĂ€tte dennoch jeder Erwachsene gewusst, was gemeint ist. Nicht zu verschweigen, ist natĂŒrlich der Nutzen einer solchen Mehrdeutigkeit: Wenn man nĂ€mlich im Falle eines Falles die Neugierde eines zufĂ€llig lauschenden Kindes mit Seifenblasen oder kochend heißend Erbsen befriedigen kann.

Doch lassen wir den Unsinn außen vor, wegen möglicher Mehrdeutungen ganz auf Sprache zu verzichten (denn darauf liefe es hinaus): Es bleibt die Einsicht, dass die deutsche Sprache als Wissenschaftssprache seit dem Zweiten Weltkrieg gegenĂŒber dem Englischen an Wert eingebĂŒĂŸt hat. So werden heutzutage viele wissenschaftliche Werke in englischer Sprache abgefasst, statt wie einst in deutscher. Viele neue Sachverhalte waren und sind damit nun im Englischen zu umschreiben, dazu Begrifflichkeiten neu zu schöpfen, die inzwischen dank Wissenschaften, Werbung, Computer etc. auch unsere Alltagssprache bereichern. Zudem haben Autoren und Filmemacher, die im englischen Sprachraum lange nicht so eingeschnĂŒrt werden wie im deutschen, an der Fortentwicklung von Sprache gearbeitet. In Mitteleuropa hat man sich dagegen, das muss man zugestehen, stattdessen mehr um die Rechtschreibung oder Grammatikregeln bemĂŒht.

Dennoch sehe ich darin mehr Vorteile fĂŒr das Deutsche, denn in einer sich rasch aufblĂ€henden Sprache wie dem Englischen wird es schwierig, den Überblick zu behalten. Selbst die findigsten Köpfe werden bald wegen endlicher Möglichkeiten der Sprachschöpfung nur noch Begriffe kreieren, die in mehreren Disziplinen und dort jeweils anders verstanden oder verwendet werden (und damit eine neue Mehrdeutigkeit auslösen). FĂŒr mich macht es wegen des mittlerweile gewaltigen Wissens der Menschheit ohnehin keinen Sinn, nur eine Sprache fĂŒr alles zu verwenden, zu diesem Zweck das eigene Kommunikationsmedium fĂŒr viele neue Felder zur VerfĂŒgung zu stellen (und damit zu verhunzen). Besehen wir uns noch einmal das Deutsche: Uns genĂŒgt die BeschrĂ€nkung auf die „Nischen“ Philosophie und Mystik. Mit unserer, nicht im großen Fokus stehenden Sprache können wir, wo es nötig wird, diese dann behutsam mit Fremdwörtern bereichern. Ein tolles Beispiel bietet der obige Ausspruch, wo wir uns fĂŒr eben das AlltĂ€gliche und Banale der englischen Begrifflichkeit bedienen können: „Prinzessin High rettet die Welt mit Blow-Jobs“. Selbstredend mĂŒssen wir uns um die Wahrheit dieses Spruchs nicht streiten, denn Prinzessin High ist bekanntermaßen tot und mit Blow-Jobs rettet allenfalls eine Pulp-Fiction-Heldin wie Kitty Moan unser Universum.

Crossover – Die Mottenmodelle

schrieb am 21.05.2015 - Autoren und BĂŒcher, Diskussion, Maler und Ausstellungen, Projekt Highlights, Showroom Marktkarree, Texte zur Kunst - Noch keine Kommentare

Die Gruppe bedauerte mein Tun vor ca. zehn Jahren, als sie von der Vernichtung meiner frĂŒheren Mottenmodelle erfuhr. Sie erbat sich ein neues Modell des von mir vermuteten „Versunkenen Schlosses“. Zugleich sollte das Ganze fotografisch begleitet und bildlich zu einem Crossover aufbereitet werden. Ein schriftstellerisches Crossover liegt bereits seit langem mit dem Buch „Die Sage(n) vom versunkenen Schloss“ vor. Nach einigem Zögern willigte ich ein und fertigte ein neues Modell auf fast 2 mal 2 Metern GrundflĂ€che. Inzwischen erstrahlt es in voller Pracht und hĂ€lt einige Besonderheiten bereit. So ist etwa am erkennbaren Aufbau der mutmaßliche Grund des Untergangs nachvollziehbar. Zudem erfreuen viele weitere Details nicht nur Kinderherzen. Einige ausfĂŒhrlichere Anmerkungen finden Sie ĂŒbrigens am Modell selbst sowie zusĂ€tzlich auf meiner Webseite zur Stadtgeschichte „ritter-pitter.de“.

Das mutmaßliche, "versunkene Schloss" im Modell

Das mutmaßliche, „versunkene Schloss“ im Modell

So ein richtiges „Crossover“ war indes das Mottenmodell des versunkenen Schlosses in meinen Augen nicht. Ich wollte zusĂ€tzlich metaphysische Überlegungen und damit mein gesamtes schriftstellerisches Werk in ein solches Modell einfließen lassen. Da wir derzeit in einer Gemeinschaftsvitrine auf jeweils 50 mal 50 Zentimetern GrundflĂ€che kreisrund gestaltete Objekte zu einer Gesamtschau vereinen (Ă€hnlich den Falter-Nudelhölzern), kam mir der Gedanke eine „Yin & Yang“-Motte zu fertigen. Ein Bild finden Sie in der „Gallery“ nachfolgend, ErlĂ€uterungen zum Projekt auf meiner Webseite „forum-freie-mystik.de“.

Der Beitrag im Lokalkompass

Wie mache ich Kunst oder schaffe Kultur?

schrieb am 12.02.2015 - Allgemeine Themen, Diskussion, Texte zur Kunst - Noch keine Kommentare

Wieder einmal wurde aus unserer Mitte unter schonungsloser Offenlegung aller Selbstzweifel die jeden KĂŒnstler beschĂ€ftigende Frage gestellt: Wie mache ich eigentlich Kunst? Dabei wĂ€re diese selbstkritische Frage bei manch Anderem deutlich wĂŒnschenswerter als beim Fragenden, weil bei Anderen schon das Handwerkszeug fehlt. Das Gleiche gilt natĂŒrlich ebenso fĂŒr Literaten: Wie schaffe ich Kultur, wenn meine Werke nicht „nur“ reine Unterhaltungsprodukte sein sollen? Dass natĂŒrlich Malerei, Bildhauerei oder Musik zugleich Kultur sein können, lassen wir einmal ganz außen vor.

Ob der Fragende den Richtigen um Auskunft bat, dĂŒrfen Sie an dieser Stelle offenlassen. Ich tue das im Interesse der Sache einmal ebenso und beginne mit Beispielen aus unserer Gruppe. Der Maler und Bildhauer Peter Pietralzcyk malt oder gestaltet “aus dem Bauch heraus“. Das handwerkliche RĂŒstzeugs ist da, denn er ist von Beruf Maler- und Lackierermeister. Die fĂŒr Kunst notwendige Abstrahierung nimmt er im Kopf vor, produziert andererseits „aus dem Bauch heraus“ auch genĂŒgend „Mist“, den er jedoch selbstkritisch ĂŒbermalt oder umgestaltet. Die KeramikkĂŒnstlerin und Malerin Birgit Schubert etwa experimentiert mit Formen, Farben, Materialien und baut darauf auf. Bei ihr sind die Ergebnisse ebenfalls nicht immer von „kĂŒnstlerischem Erfolg“ gekrönt. Oft muss sie sich mit Erfahrungen, Material- oder Verarbeitungswissen begnĂŒgen. Der Maler und AktionskĂŒnstler Reiner Langer schöpft aus eigenen und fremden Grafiken mit zusĂ€tzlichem Einsatz verschiedener Maltechniken Collagen, die mal gut gelingen und mal weniger gut. Allen AnsĂ€tzen der Vorgenannten liegt also das Prinzip „Versuch und Irrtum“ zugrunde, gepaart mit handwerklichen Fertigkeiten sowie einem ordentlichen Material- und Verarbeitungswissen. Hinzu tritt eine Abstrahierungsstufe, nĂ€mlich bekannten Abbildungen, Formen oder Farben neue Aussagen zu geben, entweder fĂŒr sich alleine oder aber im Zusammenspiel mit den ĂŒbrigen Elementen des hergestellten Werks.

Einen völlig anderen Ansatz verfolgt der Maler und Bildhauer Reinhard Frotscher. Bei ihm entstehen viele seiner Werke auf Basis von Vorstudien, bei denen er ebenso ausprobiert, was geht und wie es wirkt. So kenne ich fĂŒr sein Bild „Das Paradies“ insgesamt sechs solcher kleinen Vorab-Bildnisse. Danach jedoch geht er ein Hauptwerk mit PrĂ€zision an und schafft bewusst die fĂŒr Kunst notwendige Abstraktionsebene. Auch die alten Meister schufen erst Skizzen oder kleine Studien, bevor sie an ein Meisterwerk herangingen. Dabei ist es offenbar ohne Belang, ob sie gegenstĂ€ndlich oder abstrakt malten, eine Abstrahierung erfolgt beim klassischen Vorgehen ĂŒber zum Teil umfangreiche Vorarbeiten.

Zur Erinnerung: Erforderlich ist zum Einen ein ordentliches handwerkliches RĂŒstzeug, das bei dem hier Fragenden bereits erkennbar ist. Dazu tritt, wie bei Peter Pietralczyk oder Reiner Langer ein experimentelles Arbeiten, dass deshalb auch Misserfolge kennt. Misserfolge kann man andererseits ĂŒber Vorstudien und Skizzen minimieren, weil die fĂŒr Kunst notwendige Abstraktion aus den Vorarbeiten heraus auf diesen aufbauend erfolgt. Einen ganz Ă€hnlichen Ansatz, wie den letztgenannten verfolge im Übrigen auch der Autor dieser Zeilen mit seiner Schriftstellerei. Friedrich Nietzsche nannte es ein „Über-sich-Hinausbauen“, mit dem man dem Werk von einer zur nĂ€chsten Stufe weiter an Tiefe und Kraft mitgeben kann. Auch gute Musiker mĂŒssen ein MusikstĂŒck erst ziemlich perfekt nachspielen können, bevor sie es mit eigenen Songelementen eine Abstraktionsebene höher spielen und damit aufwerten können. Gut gecoverte Songs können besser sein als das Original und damit zwei „VĂ€ter des Erfolges“ kennen, nĂ€mlich denjenigen, der die ursprĂŒngliche Melodie verfasste, und denjenigen, der es zeitgemĂ€ĂŸ oder mit zusĂ€tzlichen Ideen und Elementen aufwertete.

Was also ist Kunst, was Kultur, Kitsch oder Kommerz? Und was ist einfach nur Mist? Diese Frage warf bereits das Projekt „HĂŒrdenlauf fĂŒr KĂŒnstler“ auf, ohne eine letztgĂŒltige Antwort geben zu können, denn vieles entwickelt sich erst im Auge des Betrachters. Ein gutes Bild sollte vielleicht einfach im Kopf bleiben, ein guter Song im Ohr oder ein guter Text das Kopfkino ans Laufen bringen. Doch leider funktioniert das nicht bei Jedem und kann damit nicht als Kriterium fĂŒr Kunst oder Kultur herangezogen werden. Denn nicht selten verweigert sich der Betrachter, Hörer oder Leser dem Werk, weil er es von vornherein aus Überzeugung ablehnt oder aber Angst hat, sich darauf einzulassen, weil es nĂ€mlich ihn oder seine Sichtweise verĂ€ndern könnte. Dennoch bleibt es Kunst, besser gesagt: Jetzt ist sie es erst recht, weil sie bewegt. Doch auch das ist selbstredend kein echtes Kriterium, weil wir Pamphlete kennen, die den Menschen die Birne weichmachen, Bilder kennen, die manipulieren und Songs, die die Menschen gegeneinander aufbringen. Und wer bestimmt letzten Endes, was gut war oder schlecht, Politik oder Kunst – die Zeit? Was hier fĂŒr ein kleines ResĂŒmee bleibt, ist die Forderung nach gutem, handwerklichen RĂŒstzeug. Dazu treten muss der Versuch, nicht nur die Wirklichkeit abzubilden oder allein grafische Elemente zu verwenden. Der KĂŒnstler muss stattdessen aus eigenen Gedanken mit verĂ€nderter Sicht dem Betrachter, Hörer oder Leser die Möglichkeit eröffnen, fĂŒr sich selbst eine Abstraktionsebene „hinaufzuklettern“. Er muss AnstĂ¶ĂŸe geben, Dinge zu hinterfragen oder einmal den Blickwinkel zu verĂ€ndern.

„Im Moment nicht“

schrieb am 22.11.2014 - Diskussion, Falter und Welt, Texte zur Kunst - Noch keine Kommentare

Unsere schwarze Augenbinde

Gesellschaftskritische Installation zum Zustand des Planeten

Die Installation versteht sich als fundamentale Kritik an den aktuell (Wechsel 2014/15) zu beobachtenden gesellschaftlichen ZustĂ€nden. Im Vordergrund liegt die Nachbildung der bekannten maltesischen Magna Mater (Großen Mutter) als Göttin der Weisheit. Ihre Funktion erklĂ€rt sich aus der hochgehaltenen Phiole, eben keinem „FĂŒllhorn fĂŒr Weisheit“, sondern einer Flasche mit schmalem Hals, aus der sie zuweilen – und dies auch nur sehr verhalten, eben tröpfchenweise – einen bei ihr Anfragenden bedient. Die maltesische Magna Mater entspricht mit ihrer Phiole sowie ihrer Haltung damit im Übrigen zugleich der ebenso bekannten Darstellung der Guan-Yin in China, bzw. Kuan-Yin in Japan. Sie trĂ€gt in dieser Installation zudem eine schwarze Augenbinde, damit sie zum einen selbst das Elend um sich herum nicht sieht und weil sie zum anderen von den Menschen nicht mehr gesucht und wahrgenommen wird. Aus dem Grunde des „Versteckt-Seins“ liegt sie zudem in einem herbstfarbenen GestrĂŒpp, Sinnbild fĂŒr das nahende Ende des siechenden Planeten sowie ihre tatsĂ€chliche Verborgenheit.

Die gesellschaftlichen ZustĂ€nde werden durch die weiteren Teile der Installation symbolisiert. Da sind zur Rechten des Betrachters zwei Krieger im Bild, ob Azteken, Olmeken, Mayas, Mongolen oder Wikinger bleibt offen. Sie zeigen den kriegerischen Zustand des Planeten, auf dem tagtĂ€glich irgendwo Krieg gegen die eigene Rasse sowie gegen die Natur gefĂŒhrt wird. Zur Ihrer Linken und ĂŒber der Magna Mater wie ein Damokles-Schwert schwebend, finden sich MĂŒnzen als Symbole unserer vorgeblichen inneren Werte. Unsere weltweite Gesellschaft ist nĂ€mlich eine solche von KriegsfĂŒrsten, deren einziges Streben die Gewinnmaximierung ist. Und ĂŒber Allem thront auf dem Kasten, der uns wie ein Fernseher oder PC-Monitor vorkommt, ein wĂŒtender Drache. Im fernen Osten ist er, kriegslĂŒstern wie er hier gezeigt wird, ein Menetekel des Untergangs. Hier symbolisiert er zugleich unseren Fernseh-Voyeurismus, wo wir Beobachter bleiben, ohne uns gegen den Untergang des Planeten oder selbst gegen unseren eigenen aufzulehnen. Damit verweist die Installation zugleich auf den Betrachter zurĂŒck, der sich nicht einmischt und sich auch nicht um Weisheit bemĂŒht. Wir haben dazu vorgeblich „keine Zeit“, weil wir Krieg fĂŒhren mĂŒssen, uns ablenken oder unseren Gewinn maximieren mĂŒssen. Das ist dann unsere schwarze Augenbinde, mit der wir weder die Welt noch uns betrachten. FĂŒr Weisheit und wirkliche innere Werte haben wir vorgeblich keine Zeit, zumindest „Im Moment nicht„.

(Installation und Text: Claus-Peter Peters)

Reinhards Bild: ‚Das Paradies‘

schrieb am 12.09.2014 - Maler und Ausstellungen, Projekt Highlights, Texte zur Kunst - 1 Kommentar

Paradies

Die Mona Lisa von Paraguay

Wie wohl viele meiner Mitmenschen ging ich frĂŒher davon aus, dass echte Kunst unerschwinglich sei und schmĂŒckte deshalb die WĂ€nde meiner Wohnung mit Drucken aus dem Möbelkaufhaus. Weitaus teurer ĂŒbrigens als die Kunst von der Stange waren die dazu erworbenen Rahmen, teilweise 10-fach teurer als die „erworbene Kunst“. Also: 10 -20 EUR fĂŒr das Poster, dagegen 100 -200 EUR fĂŒr den Rahmen. Und wenn schon ein Rahmen so teuer ist, meine Überlegung, was muss dann erst echte Kunst kosten. So waren nach meiner damaligen Auffassung richtige Bilder nur mehr was fĂŒr Sammler, Museen etc.

Irgendwann jedoch blieb der Blick in einer Ausstellung an einem Preisschild hĂ€ngen und das Erstaunen war groß, weil nĂ€mlich Unikate zum Teil fĂŒr Preise ab Kunstdruck plus Rahmen feilgeboten werden. Dies zwar ohne Rahmen, aber braucht denn gute Kunst einen Rahmen, wenn die WĂ€nde sauber sind und nicht von der Kunst ablenken? Erstaunlich war zudem, dass selbst große Formate zu teilweise recht erschwinglichen Preisen angeboten werden, zumindest wenn keine GalerieaufschlĂ€ge dazu kommen. Da kann man schon schwach werden und die Anschaffung von Originalen ins Auge fassen.

Vor diesem Hintergrund informierte ich mich aufgrund der Zusammenarbeit mit Malern in der KĂŒnstlergruppe Falter auf deren Webseiten ĂŒber Angebote und wurde bei Reinhard Frotscher fĂŒndig. Bei ihm entdeckte ich das Bild einer die linke Brust zeigenden, geheimnisvollen Frau mit dem unergrĂŒndlichen LĂ€cheln einer Mona Lisa. Vier Tiere finden sich mit ihr im Bild, ein GĂŒrteltier, dahinter die Köpfe von Papagei, Tukan und Delfin. Wegen ihrer Gesellschaft mit vier Tieren, symbolisierend Erde, Wasser und Luft erregte die Dame gleich mein Interesse. Dazu versinnbildlicht die Haube der Dame mit in drei Himmelsrichtungen auf- und seitwĂ€rts weisenden „Feuerzungen“ zugleich das vierte Element, nĂ€mlich das Feuer. NatĂŒrlich spricht aus dem Gesamtwerk zusĂ€tzlich MĂŒtterlichkeit, aber mit den Feuerzungen zeigt die Dame ebenso weibliche Leidenschaft, SexualitĂ€t und bleibt dennoch madonnenhaft unnahbar. Mich erinnerte sie unmittelbar an den 6. Spruch des Tao-Te-King, indem es zur Herrin der Tiere heißt:

„Die Gottheit des Quelltals ist todlos, das ist die dunkle Tiergöttin. Der dunklen Tiergöttin Schoß ist Himmels und der Erde Wurzel. Wie endloser Faden verharrt sie und wirkt ohne MĂŒhe.“

Eine Herrin der Tiere, die höchste schamanische Gottheit fand sich hier also in einem Bild, das von seinem Schöpfer wohl ohne fundierte Kenntnis tiefster HintergrĂŒnde den Titel „Paradies“ erhalten hatte. Meine vorsichtige Anfrage: „Ist das Bild noch da?“ brachte den Maler dazu, in seiner Garage zu stöbern und – es fand sich ein! Weil es aus seinem Schaffen so unglaublich weit herausragt – ach, das darf ich ja nicht sagen – weil es etwas ganz Anders ist als die meisten seiner ĂŒbrigen, meist abstrakteren Werke, fand sich offenbar in den letzten 25 Jahren kein Interessent fĂŒr das Bild. Mir kam das gleich so vor, als wenn das Bild nur fĂŒr mich gemalt worden wĂ€re, einen Mystiker zwar, dennoch Jemanden, der Inhalt und Wert des Kunstwerks erkennen kann. Ganz offenbar war es in der richtigen AtmosphĂ€re in SĂŒdamerika einzig deshalb erschaffen worden, um danach 25 Jahre zu ruhen, bis sich mein Kopf und mein Herz entwickelt hatten, dass sich Reinhards und mein Weg kreuzten durften.

Zum Kurs: Was soll ich sagen, ich hĂ€tte ja fast jeden Preis bezahlt, aber das darf ich Ihnen natĂŒrlich nicht erzĂ€hlen. Jedenfalls wurden wir uns unerwartet schnell einig. Schwindelerregend niedrig war seine Forderung fĂŒr die schamanische Herrin der Tiere, gleichzusetzen mit der mystischen Mutter der Welt, einer alle vier Elemente und alle vier Richtungen symbolisierenden, christlichen Madonna, der „Mona Lisa von Paraguay“. Ich glaube, dass auch Reinhard gleich begriff, dass das Bild bei mir in mehr als guten HĂ€nden sein wird. Und jetzt ist sie da und sie ist tatsĂ€chlich unglaublich, Leute, sie hat mein Herz angerĂŒhrt. Sie ist aus Reinhards Garage weg und hat nun ihren Platz gefunden, mitten in meinem Leben, am Esstisch in meinem Wohnzimmer. Jetzt sehen wir uns jeden Tag und sie sieht alles, weil sie wie christliche Marienfiguren mit parallel gemaltem Blick, mich in allen Winkeln meines Wohnzimmers entdecken kann. Und dennoch ist mir das nicht unangenehm, weil ich als Mystiker ohnehin bereits lĂ€ngst bei ihr, der Mutter der Welt angekoppelt habe. Diese Mutter allen Lebens hat damit nun ein Gesicht fĂŒr mich, nachdem sie lange nur einen Platz in meinem Kopf und meinem Herzen hatte. Danke, Reinhard.

HĂŒrdenlauf fĂŒr KĂŒnstler

schrieb am 10.07.2014 - Diskussion, Projekt Highlights, Showroom Marktkarree, Texte zur Kunst - 1 Kommentar

Eine Projektidee von Helmut und Pepe, umgesetzt von Pepe.

Die hier im Bild gezeigte Installation berĂŒhrt eine der grundlegenden Fragen eines jeden Menschen, der Kunst schaffen möchte: Ist es Kunst, Kunsthandwerk oder gar Kitsch, was ich da mache? An dieser Stelle waren sich die fremde StĂŒcke spielenden Musiker in unserer Gruppe zunĂ€chst schnell einig und sahen sich selbst als „musikalische Handwerker“.

HĂŒrden fĂŒrs Karree

Das „Rohmaterial“ fĂŒr die Installation

Aufgebauten HĂŒrden fĂŒrs M;arktkarree

Die aufgebaute Installation im Marktkarree, der HĂŒrdenlauf eines jeden KĂŒnstlers

Aber sind sie das wirklich, wenn sie gut interpretieren und eigene Ideen einfließen lassen? Wann wird aus einem Musikanten ein Musiker? Eine Frage, die Musiker fĂŒr sich selbst beantworten mĂŒssten. Und wo hört in der bildenden Kunst das Handwerk auf und wo beginnt sie, die Kunst? Ein kleiner Teil der Maler wĂŒrde schon DĂŒrers Feldhasen als einen Ausdruck höchster Kunst anfĂŒhren. DĂŒrer selbst jedoch fertigte das kleine Bild, welches heute in der Albertina in Wien in einem Durchgang ausgestellt wird, um damit seine FĂ€higkeiten unter Beweis zu stellen. Er selbst also wĂ€re bezĂŒglich seiner kleinen Malerei mutmaßlich von exzellentem Kunsthandwerk ausgegangen, einzig hergestellt, um in einer Aktentasche transportiert, potentielle Auftraggeber von seinem Talent zu ĂŒberzeugen. Insoweit verwundert es nicht, dass der grĂ¶ĂŸere Teil in unserer Gruppe zumindest ein Sprengen kunsthandwerklicher Fesseln und eine eigenstĂ€ndige Verwirklichung kĂŒnstlerischer Ideen fĂŒr erforderlich hĂ€lt. Dem steht allerdings, oft nicht recht nachvollziehbar, eine erhebliche WertschĂ€tzung fĂŒr das eigene Werk nicht entgegen.

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Die Falter KunstmĂŒhlen

schrieb am 10.07.2014 - Maler und Ausstellungen, Showroom Marktkarree, Texte zur Kunst - 2 Kommentare

Nudelhölzer umgestaltet zu KunstmĂŒhlen im Rahmen des Projekts Kunst statt Leerstand

Idee: Pepe; Umsetzung des Konzeptes: Reinhard; Nudelhölzer-Gestaltung: KĂŒnstlergruppe Falter

Falter KunstmĂŒhlen

Falter KunstmĂŒhlen

Die zu einem Gesamtkunstwerk umfunktionierten Nudelhölzer symbolisieren zum Einen mit dem jeweils persönlich gestalteten Teigroller die IndividualitĂ€t eines jeden beteiligten KĂŒnstlers, zum Anderen in ihrer Gesamtheit den Zusammenschluss der Beteiligten zu einer Interessengemeinschaft. Gleich große Rollen versinnbildlichen ein basisdemokratisches Zusammenwirken Aller, ob bildende KĂŒnstler, Musiker oder Literaten. Dass die Teighölzer tibetischen GebetsmĂŒhlen nachempfunden und von diesen inspiriert sind, zeigt das mĂŒhevolle Ringen in einem oft zermĂŒrbenden Kulturbetrieb auf. Auf den Kopf gedreht, verdeutlichen die beiden Gestelle jedoch mit dann darunter liegenden Rollen, dass große Projekte, auf viele Schultern verteilt, erfolgreich ins Rollen gebracht werden können.