Ist der „Falter“ politisch?

schrieb am 04.08.2015 - Allgemeine Themen, Falter und Welt, Falter-Geschichte - Noch keine Kommentare

Bereits diverse Male wurden wir als Künstlergruppe aufgefordert, uns politisch zu äußern. Es sei die Pflicht der Künstler, erst recht in der Gruppe, usw. Verwiesen wird dabei auf Konzerte für oder gegen etwas, Pamphlete zur Unterstützung von Dissidenten etc. Von unserer Seite wurde und wird dann stets darauf verwiesen, dass wir ein Zusammenschluss von Profis und ambitionierten Hobbykünstlern sind, wobei sich alle zunächst einmal in ihren künstlerischen Bemühungen unterstützen wollen. Daneben gibt es zwar, breit gefächert, politische Meinungen, jedoch keine politische Meinungsbildung in der Gruppe. Andererseits achten wir darauf, dass sich niemand mit menschenverachtenden oder rassistischem Gedankengut bei uns einfindet. Insoweit könnten wir uns als Demokraten tatsächlich zu gemeinsamen politischen Statements zusammenfinden, zumal ein jeder in der Gruppe seine Meinung frei äußern und außerhalb der Gruppe frei politisch agieren darf.

Ist das aber gewollt? – Nein, es ist nicht gewollt, weil wir nämlich eine Künstlergruppe und keine Politikgruppe sind. Damit sind wir andererseits nicht per se apolitisch, denn wie kann eine Vereinigung von denkenden Menschen, dazu im öffentlichen Raum, die sich Toleranz und Basisdemokratie auf die Fahne geschrieben hat, unpolitisch sein? Das ginge nicht zusammen. Wir leben jedoch, statt über (Tages-)Politik zu reden, ein entspanntes Miteinander fast ohne Führung. Dazu sind wir auch kein Verein und haben keinen Vorstand. Stattdessen haben wir eine notwendige Struktur mit Obleuten zur Durchführung unserer Veranstaltungen, für unsere Pressearbeit und für unsere Webauftritte. Ein bisschen mehr Kandare könnte womöglich sogar mehr Erfolg verheißen. Dennoch, wir wollen zwar den Erfolg, jedoch nicht um den Preis der Knechtung. Denn bei uns wird persönliche Freiheit hochgehalten.

Fassen wir es zu einer Frage zusammen: So etwas wie „Politik betreiben“, indem man Freiheit lebt, Toleranz übt und sich basisdemokratisch zu Projekten zusammenfindet? Ja! Und das soll funktionieren? Ja, es klappt, sogar vorzüglich – und dahinter steckt auch ein Konzept. Wir alle kennen zumeist nur konfuzianisches Denken und eine ebensolche, von Führung und Unterordnung geprägte Politik. Dagegen steht ein Politikentwurf, den man bei Laotse nachlesen kann, wo nach seiner Empfehlung ein Berufener die Zügel schleifen lässt und das Volk sich dennoch findet. Diese Art des Zusammenwirkens probieren wir aus (weil wir nämlich allesamt intelligente und verantwortungsbewusste Menschen sind). Wir sind damit zwar eine deshalb von der Tagespolitik abgekoppelte, wegen unserer Nicht-Führung dennoch sehr politische Gruppe.

Dieses Konzept hat dann zur Folge, dass wir uns nicht wie alle anderen zur Tagespolitik aus dem Fenster lehnen. Nehmen wir dazu einmal das Beispiel „Charlie Hebdo“ heraus: Damals blieb selbst den engagiertesten Künstlern nur, sich pflichtgemäß aufzuregen, mehr nicht. – Wissen Sie was? Eine ungehörte Meinungsäußerung, nur um sich selbst auf die Schulter zu klopfen, ist Nonsens. Und wenn ich aus meiner Lebenserfahrung zusteuern darf: Mich nur pflichtgemäß aufzuregen, kannte ich bereits aus meiner Zeit als Betriebsrat. Damals war ich es gewohnt, hinterher zu hecheln. Unsere Gruppe jedoch geht mit ihrem Konzept voran. – Das glauben Sie nicht? Herrschaften, ich bin Mystiker, zudem Gründer und so etwas wie der Sprecher der Gruppe. Dass ich mich mit Nicht-Führung auskenne, dürfen Sie mir abnehmen und nachlesen können Sie es zudem, auf meiner Webseite forum-freie-mystik.de

Doch auch wir zeigen Flagge. Denn wenn die Gruppe so etwas wie Standpunkte offenbart, so sind es solche mit dem eigenen Handeln, etwa ein Eintreten für persönliche Freiheit, für Kreativität, für Basisdemokratie, für ein entspanntes Miteinander, für Chancen, für Entwicklung, dies für alle, weltweit und bis in eine ferne Zukunft. Diese Forderungen setzen übrigens eine Grundsicherung für alle Menschen weltweit voraus. Dieses Konzept hat zudem Bildung und Anleitung zur Kreativität zum Inhalt. Also bitteschön, warum sollten wir uns, ohne gehört zu werden, zur Tagespolitik äußern? Das lassen wir denen, die ohne Konzept unterwegs sind und die ansonsten gerne hinterherhecheln.

Zur Ergänzung sei auf unsere „Goldenen Regeln“ sowie die Überlegungen zu den „Aufgaben des Kurators“ verwiesen.

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